Stars

Foo Fighters melden sich zurück: Zwischen Unruhe, Frust und voller Rockkraft

Auf dem neuen Album der Foo Fighters reflektiert Dave Grohl und moniert eine Rückentwicklung der Menschheit. Im Interview berichtet der Frontmann von Angst, Frust und der einenden Kraft der Musik.

21.04.2026, 06:19 Uhr

Dave Grohl ist in London bestens aufgelegt. Kaum etwas deutet darauf hin, dass er am Abend zuvor mit den Foo Fighters ein schweißtreibendes, intensives Clubkonzert gespielt hat. Im traditionsreichen Shepherd’s Bush Empire im Westen der Stadt überzog die Band die Sperrstunde sogar um rund 15 Minuten – getragen von einem euphorischen Publikum.

„Es ist das beste Gefühl“, sagte Grohl im Gespräch in London. Zwischen zahlreichen Promotion-Terminen legten die US-Rocker auf der Insel gleich mehrere vergleichsweise intime Shows ein. Im Sommer kehren sie für eine Stadiontour zurück, mit Konzerten in München am 17. Juni und in Berlin am 1. Juli.

Für den 57-Jährigen liegt der Reiz vor allem darin, Energie und Freude mit dem Publikum zu teilen. Auf der Bühne wird Grohl regelmäßig zum furiosen Antreiber. Das fühle sich an, als würde man in einen See geworfen – und der einzige Weg ans Ufer sei, einfach loszuschwimmen.

Bühnenenergie im Studio

Die rohe Wucht eines Konzerts auf ein Studioalbum zu übertragen, gehört zu den schwierigsten Aufgaben einer Rockband. Gruppen wie Thin Lizzy oder Kiss wurden auch durch ihre Live-Platten zu Legenden.

Dass die Foo Fighters genau diese Kraft einfangen wollen, macht ihr neues Album „Your Favorite Toy“ sofort klar. Schon der Opener „Caught In The Echo“ prescht mit stakkatohaften Gitarren und aggressiv übersteuertem Gesang los – ein wilder, druckvoller Einstieg ins zwölfte Studioalbum der Band.

Ebenso angriffig geht es bei „Of All People“ weiter. Der Song handelt von einem früheren Drogendealer, dem Grohl nach vielen Jahren zufällig wiederbegegnete. Dabei mischten sich Freude und Wut, weil zahlreiche Bekannte infolge von Drogenmissbrauch starben. Das Stück kreist um Schuldgefühle der Überlebenden und die quälende Frage, wie man selbst glücklich weiterleben kann.

Selbstreflexion und Angst statt bloßer Wut

Auf den ersten Eindruck wirkt das Album wie ein Ventil für angestaute Aggression. Grohl sieht es jedoch anders. Aus seiner Sicht ist die Platte eher introspektiv. In dieser Selbstbeobachtung stecke aber auch Angst – ein Gefühl von Unruhe und Rastlosigkeit.

Explizit parteipolitisch sind die Foo Fighters zwar nicht, doch „Amen Cavemen“ formuliert eine klare Haltung. Grohl beschreibt darin seine Enttäuschung darüber, wie leicht Menschen wieder in primitive Verhaltensmuster zurückfallen. Gerade weil es zeitweise so aussah, als habe die Gesellschaft Fortschritte gemacht, sei dieser Rückschritt besonders frustrierend. Musik helfe ihm, Unsicherheit, Wut und Überforderung überhaupt auszudrücken.

Zu den stärksten neuen Songs zählt auch „Child Actor“. Darin geht es um Kinderstars, um die Folgen von frühem Ruhm und ganz generell um das Bedürfnis nach externer Bestätigung. Im Zentrum steht die Frage: Bin ich gut genug? Und was passiert mit Menschen, wenn ihr Selbstwert dauerhaft davon abhängt, wie andere sie beurteilen?

Grohl verweist darauf, dass Geschichten aus der Welt der Kinderdarsteller oft kein glückliches Ende nehmen. Wenn die prägenden Jahre davon abhängen, von außen Anerkennung zu bekommen, könne das tiefe Spuren hinterlassen. Am besten sei es daher, die Kameras auszuschalten und einfach der Mensch zu sein, der man wirklich ist.

Schlagzeugerwechsel mit Verbindung zu Nine Inch Nails

„Your Favorite Toy“ ist das erste Foo-Fighters-Album mit Ilan Rubin am Schlagzeug, der zuvor bei Nine Inch Nails spielte. Nach dem Tod von Langzeitdrummer Taylor Hawkins hatte die Band zunächst Josh Freese verpflichtet. Dauerhaft funktionierte das offenbar menschlich nicht, nähere Gründe wurden nicht genannt. Auffällig ist, dass Freese anschließend zu Nine Inch Nails wechselte.

Ob Rubin langfristig Teil der Band bleibt, ist offen. Musikalisch passt der 37-Jährige aber hervorragend: Sein wuchtiges Spiel verleiht den neuen Songs viel Druck, und auch bei den bisherigen Konzerten konnte er bereits überzeugen.

Neue Songs für große Bühnen

Beim London-Auftritt standen 22 Songs auf der Setlist, allerdings nur ein Stück vom neuen Album: der Titelsong „Your Favorite Toy“. Bei den kommenden Shows in München und Berlin dürfte das kaum so bleiben. Denn die neue Platte enthält mehrere Songs, die förmlich nach großen Stadionmomenten verlangen.

Grohl ist überzeugt, dass Musik gerade in schwierigen Zeiten Menschen verbinden kann. Jeder finde auf eigene Weise einen Zugang zu ihr. Wenn dann 80.000 Menschen gemeinsam „My Hero“ singen, treten Unterschiede für einen Moment in den Hintergrund – und alle sind durch denselben Song miteinander verbunden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Änderungsverlauf
  • Die Schreibweise des Albumtitels wurde an das Update angepasst: durchgehend „Your Favorite Toy“ statt „Your Favourite Toy“.
  • Grohls Aussagen wurden näher an die neue Vorlage geführt, inklusive seiner Formulierung vom „besten Gefühl“ und dem Bild, ins Wasser geworfen zu werden und schwimmen zu müssen.
  • Ergänzt wurde, dass Grohl 57 Jahre alt ist und „Caught In The Echo“ den Auftakt des zwölften Studioalbums bildet.
  • Der Abschnitt zu „Of All People“ wurde präzisiert: stärkerer Fokus auf das Wiedersehen mit einem früheren Drogendealer und auf Schuldgefühle von Überlebenden.
  • Die Deutung des Albums wurde aktualisiert: weniger reine Wut, stärker Selbstreflexion, Angst, Unruhe und Rastlosigkeit.
  • Der Drummer-Teil wurde geschärft: Ilan Rubin kommt von Nine Inch Nails, Josh Freese wechselte später dorthin zurück.
  • Der Schluss wurde leicht angepasst, damit deutlicher wird: In London spielte die Band 22 Songs, aber nur einen Titel des neuen Albums.
Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen