Politik

Bulgarien stimmt erneut ab: Kommt nun ein moskaufreundlicher Kurs?

In Bulgarien zieht Ex-Präsident Radew als Favorit in die Parlamentswahl. Bekommt das Land nach chaotischen Jahren nun eine stabile Regierung? Und wie wird sie zu Russland stehen?

19.04.2026, 13:19 Uhr

Mit der Parlamentswahl steht Bulgarien erneut vor einer Richtungsentscheidung. Es ist bereits die achte Abstimmung seit April 2021. Als aussichtsreicher Kandidat gilt der frühere Präsident Rumen Radew, der mit seinem Bündnis Progressives Bulgarien antritt. Er verspricht, dem EU- und Nato-Mitglied endlich eine stabile Regierung zu verschaffen und konsequenter gegen Korruption vorzugehen.

Zugleich sorgt seine frühere Nähe zu Russland für Diskussionen. Radew hatte sich in seiner Zeit als Staatsoberhaupt offen für Gespräche mit Moskau ausgesprochen. Deshalb wird genau beobachtet, wie er sich als möglicher Regierungschef innerhalb der EU bei der Unterstützung der Ukraine positionieren würde. Politisch lässt sich seine Allianz bislang nicht klar in das übliche Parteienspektrum einordnen.

Rund 6,5 Millionen Wahlberechtigte waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Neuwahl wurde nötig, nachdem es Massenproteste gegen Korruption gegeben hatte und die prowestliche Koalitionsregierung unter Führung des konservativen Bündnisses Gerb-SDS im Dezember 2025 zurückgetreten war. Derzeit führt eine Übergangsregierung die Amtsgeschäfte.

Zwischen nationalem Kurs und Nähe zu Moskau

Radew, ein ehemaliger General und früherer Kampfpilot, hatte sein Präsidentenamt im Januar niedergelegt, um selbst bei der Wahl anzutreten. Nach Einschätzung der Konrad-Adenauer-Stiftung spricht sein Bündnis vor allem Wähler aus dem linken, nationalistischen und prorussischen Lager an. Im Wahlkampf vermied er jedoch eine eindeutige Festlegung gegenüber Russland und betonte stattdessen vor allem die Wahrung bulgarischer Interessen innerhalb von EU und Nato.

Beim Thema Ukraine orientiert sich Radew nach eigenen Worten am Kurs des ungarischen Wahlsiegers Peter Magyar. In einem Fernsehgespräch erklärte er, Bulgarien werde sich unter seiner Führung nicht finanziell an Militärhilfen für die Ukraine beteiligen. Entscheidungen auf EU-Ebene wolle er allerdings auch nicht blockieren. Die im Dezember 2025 gescheiterte Regierung hatte einen klar proukrainischen Kurs verfolgt, den auch die Übergangsregierung fortsetzt. Aus Brüssel waren vor der Wahl keine größeren öffentlichen Bedenken zu hören.

Russische Medien sehen in Radew dennoch eine Art „bulgarischen Orban“. So schrieb etwa die Zeitung Nesawissimaja Gaseta, ein Wahlsieg seiner Partei würde Bulgariens Außenpolitik verändern und Sofia für Brüssel ähnlich unbequem machen wie Budapest.

Stimmenkauf und Manipulationsvorwürfe überschatten den Urnengang

Wie schon bei früheren Wahlen wurde auch dieser Wahlkampf von Vorwürfen des Stimmenkaufs begleitet. Hunderte Verdächtige wurden festgenommen. Nach offiziellen Angaben stellten die Behörden Bargeld im Gesamtwert von rund einer Million Euro sicher, das für den Kauf von Stimmen vorgesehen gewesen sein soll. Der Preis für eine Stimme soll demnach zwischen 50 und 100 Euro gelegen haben.

Wegen möglicher Einflussnahme auf die Wahl aktivierte die Übergangsregierung außerdem das EU-System zur Bekämpfung von Desinformation und ausländischer Einmischung. Auch Beobachter der OSZE verfolgen den Wahlprozess vor Ort.

Hohe Beteiligung am Vormittag

Die Parlamentswahl in Ungarn eine Woche zuvor könnte auch in Bulgarien zusätzliche Wähler mobilisiert haben. Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission lag die Beteiligung am Vormittag bei etwas mehr als 12 Prozent – ein vergleichsweise hoher Wert für bulgarische Verhältnisse.

Verlässliche offizielle Hochrechnungen werden erst am Montagmorgen erwartet. Bereits am Wahlabend könnten erste Trends auf Basis von Nachwahlbefragungen veröffentlicht werden. Später sollen Hochrechnungen von Meinungsforschungsinstituten folgen. Mit dem endgültigen amtlichen Ergebnis wird innerhalb von vier Tagen gerechnet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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