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Hormus-Krise: Internationale Beratungen in Paris über Schutzmission nach dem Krieg

In Paris haben Beratungen über Möglichkeiten zur Sicherung der Straße von Hormus begonnen - für die Zeit nach dem Iran-Krieg. Die Aufgabe ist hochkomplex, die Gefahr derzeit schwer einzuschätzen.

17.04.2026, 14:42 Uhr

Unter dem Eindruck massiver wirtschaftlicher Folgen der Blockade der Straße von Hormus beraten in Paris zahlreiche Staaten über eine mögliche internationale Militärmission für die Zeit nach dem Krieg mit dem Iran. Frankreich und Großbritannien haben zu dem Treffen eingeladen, an dem auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teilnimmt. Ziel ist ein multinationales Konzept zur Absicherung der wichtigen Meerenge zwischen Iran und Oman.

Für die Bundesregierung ist eine Waffenruhe die zentrale Voraussetzung. Solange zwischen den USA und Israel auf der einen sowie dem Iran auf der anderen Seite weiter gekämpft wird, kommt ein deutscher Einsatz nicht infrage. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer machten deutlich, dass es um ein Szenario nach dem Ende der Kampfhandlungen geht. Neben Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nahmen in Paris weitere Partner aus Europa teil, mehr als 40 Staaten aus Asien, Afrika und Lateinamerika waren per Video zugeschaltet.

"Die sofortige und bedingungslose Öffnung der Meerenge ist eine Aufgabe von globaler Bedeutung", sagte Starmer. Ziel sei es, Energieversorgung und Welthandel wieder ohne Einschränkungen zu ermöglichen. Die geplante Mission solle ausschließlich defensiv ausgerichtet sein.

Die direkt am Krieg beteiligten Staaten USA, Israel und Iran waren bei den Gesprächen in Paris nicht vertreten. Die Initiative erinnert in ihrer Anlage an frühere Abstimmungen der sogenannten "Koalition der Willigen", bei denen über Konzepte für die Zeit nach bewaffneten Konflikten beraten wird. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt eine weitere Gesprächsrunde mit Teheran angedeutet. Ob und wann sie stattfindet, ist allerdings offen.

Wie eine Mission nach dem Krieg aussehen könnte

Derzeit kontrolliert das US-Militär die Straße von Hormus weiterhin und hindert iranische Tanker sowie Handelsschiffe mit Ziel oder Ausgang iranischer Häfen an der Durchfahrt. Zuvor hatte die iranische Marine die nur etwa 55 Kilometer breite Passage durch Drohungen und Beschuss von Tankern und Frachtern faktisch lahmgelegt. Die Folge waren stark steigende Energiepreise. Teheran hatte zwischenzeitlich vorgeschlagen, für sichere Passagen Gebühren zu verlangen.

Geplant ist, die Lage in der Meerenge wieder auf den Stand vor Kriegsbeginn zurückzuführen. Nach Informationen aus Regierungskreisen will Merz in Paris eine deutsche Beteiligung in Aussicht stellen. Demnach könnte die Bundeswehr nach einem Ende der Kämpfe Minenjagdboote, ein Versorgungsschiff und Mittel zur Luftaufklärung entsenden, sofern weitere Bedingungen erfüllt sind.

Die Marine verfügt aktuell über acht Minenjagdboote sowie zwei Boote für Minentaucher. Wie viele Einheiten tatsächlich eingesetzt werden könnten, ist noch nicht entschieden. Konkrete Zahlen will Merz zunächst nicht nennen. Für die maritime Aufklärung stehen zwei Seefernaufklärer des Typs P-8 Poseidon bereit. Der Einsatz soll über eine Relaisstation in Dschibuti koordiniert werden.

Auch Großbritannien hatte in den vergangenen Wochen über Fähigkeiten zur Minenräumung gesprochen, nachdem Trump Unterstützung in diesem Bereich gefordert hatte. Deutsche Fregatten sollen vorerst nicht entsandt werden, da sie stark in einen Nato-Verband im Nordatlantik eingebunden sind.

Unsichere Lage in der Meerenge

Seit Kriegsbeginn gilt die Sicherheit in der Straße von Hormus als nicht gewährleistet. Mehrere Schiffe gerieten unter Beschuss. Fachleute vermuten, dass der Iran vor rund einem Monat dutzende Minen südlich seiner Hoheitsgewässer ausgebracht haben könnte. Teheran hat dies allerdings nie offiziell bestätigt. Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) sitzen seit Ende Februar mehr als 2.000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest.

Der Sicherheitsforscher Andreas Krieg vom King’s College London sagte Al Jazeera, derzeit wisse praktisch niemand genau, wo sich mögliche Minen befänden – weder Iran noch die USA. Ähnliche Einschätzungen wurden auch aus US-Sicherheitskreisen bekannt.

In der vergangenen Woche, noch vor der US-Blockade, hatten die iranischen Revolutionsgarden vor einer Gefahrenzone in der Region gewarnt. Dort könnten Antischiffsminen liegen. Die von ihnen empfohlene Ausweichroute führt weiter nördlich und damit stärker durch vom Iran beeinflusste Gewässer. Schon allein die Möglichkeit eines verminten Seegebiets erschwert den Reedereien jede verlässliche Planung.

Der frühere Kapitän der britischen Royal Navy, Kevin Rowlands, sagte, es gebe keine eindeutigen Belege dafür, dass die Meerenge tatsächlich vermint worden sei. Allerdings lasse sich eine solche Bedrohung relativ leicht unbemerkt schaffen, während die Folgen eines Minentreffers verheerend wären. Deshalb sei eine nachweislich sichere Route unerlässlich.

Minenräumung bleibt schwierig

Das US-Verteidigungsministerium teilte am Montag mit, zwei Zerstörer seien in der Straße von Hormus im Einsatz gewesen, um sicherzustellen, dass zuvor gelegte Seeminen geräumt würden. Andreas Krieg schätzt, dass der Iran über bis zu 6.000 Minen unterschiedlicher Typen verfügen könnte. Eine Räumung in dem Gebiet sei deshalb derzeit äußerst kompliziert.

Die britische Denkfabrik Royal United Services Institute (RUSI) betont, die Wasserstraße könne erst dann wirklich als wieder offen gelten, wenn Versicherer Schiffe zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen für die Passage absichern. Das werde nicht allein durch politische Erklärungen erreicht, sondern erst dann, wenn die Gefahr nachweisbar und dauerhaft zurückgegangen sei.

Versicherungen weiter möglich – aber deutlich teurer

Nach übereinstimmenden Angaben können Reedereien ihre Schiffe trotz des Krieges weiterhin gegen Kriegsrisiken versichern. "Versicherungsschutz ist grundsätzlich verfügbar – entscheidend ist am Ende der Preis", sagte Raik Becker vom Versicherungsmakler Marsh Risk, der für Reedereien mit Versicherern verhandelt.

Seit Ausbruch des Krieges haben sich die Kosten für solche Policen laut Becker vervielfacht. Im Durchschnitt lägen sie inzwischen etwa fünf- bis sechsmal höher als zuvor. Für eine Fahrt durch ein Hochrisikogebiet wie den Golf müssten Reedereien derzeit ungefähr drei bis sieben Prozent des Schiffswerts bezahlen.

Trotzdem wagen bisher nur wenige Unternehmen die Passage durch die Straße von Hormus. Deutsche Reedereien halten sich offenbar überwiegend zurück. Gegenteilige Hinweise gibt es bislang nicht. Auch der VDR betont, dass der Schutz der Besatzungen oberste Priorität habe, und rät seinen Mitgliedern zu besonderer Vorsicht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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