Viele große Firmen in Deutschland wollen sich bei der geplanten Entlastungsprämie für Beschäftigte noch nicht festlegen. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärten die meisten Konzerne, zunächst den genauen Gesetzestext und die konkrete Ausgestaltung durch die Bundesregierung abwarten zu wollen. Keines der angefragten Unternehmen sagte vorab verbindlich zu, die angekündigte Prämie von bis zu 1.000 Euro auszuzahlen. Teilweise wurde das Vorhaben auch kritisch bewertet.
Hintergrund des Vorschlags sind gestiegene Energie- und Lebenshaltungskosten infolge des Iran-Kriegs. Die Bundesregierung hatte angeregt, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern eine steuer- und abgabenfreie Krisenprämie zahlen können. Rossmann reagierte bereits und kündigte an, nach Inkrafttreten der Regelung allen Beschäftigten eine Sonderzahlung zu gewähren – in der Regel 500 Euro, Verkaufshilfen sollen 250 Euro erhalten.
ThyssenKrupp sieht den Ansatz kritisch
Unter den von der dpa befragten Unternehmen will bislang jedoch niemand dem Beispiel von Rossmann folgen. Die Reaktionen reichen von Zurückhaltung bis offener Kritik. ThyssenKrupp erklärte, aus Sicht des Unternehmens sei es nicht sinnvoll, pauschale Sonderzahlungen in den Mittelpunkt der Debatte um hohe Energiepreise zu rücken. Auch Bosch verwies darauf, dass das Gesetz noch nicht vorliege. Arbeitsdirektor Stefan Grosch sagte, man werde die Regelung erst prüfen, wenn sie beschlossen sei.
Ähnlich äußerten sich zahlreiche weitere Konzerne. Dazu zählen Volkswagen, Mercedes-Benz, Siemens, Daimler Truck, Eon, Rheinmetall und MediaMarktSaturn. Auch Fraport, Lufthansa und die Deutsche Börse haben bislang keine Entscheidung getroffen. Edeka und Aldi Nord verwiesen auf die Einschätzung des Handelsverbands Deutschland.
Handel warnt vor falschen Erwartungen
Der Handelsverband Deutschland äußerte sich skeptisch. Nach Angaben des Verbands ist derzeit nicht absehbar, wie viele Händler die Prämie tatsächlich zahlen werden. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth warnte, bei Beschäftigten würden Erwartungen entstehen, die viele Unternehmen angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage nicht erfüllen könnten.
Auch andere Firmen halten sich bedeckt. Die Otto Group will die Pläne erst nach Vorlage der konkreten Vorgaben bewerten. Der Elektronikhändler Expert sprach von laufenden internen Abstimmungen. Rewe erklärte, man werde erst nach einer klaren gesetzlichen Regelung entscheiden, ob und in welcher Form eine Zahlung möglich sei. Continental äußerte sich ähnlich.
Regierung will schnelle Umsetzung
Nach Angaben von Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer läuft innerhalb der Bundesregierung bereits die Abstimmung über die Entlastungsprämie. Das Vorhaben soll möglichst rasch umgesetzt werden. In den Beratungen geht es demnach auch darum, den ursprünglich bis 2026 vorgesehenen Begünstigungszeitraum bis 2027 zu verlängern.
Henkel begrüßte grundsätzlich, dass die Regierung verschiedene Entlastungsmaßnahmen prüft. Zu der konkret beschlossenen Prämie könne man sich derzeit aber noch nicht festlegen, da zunächst eine interne Prüfung erfolgen müsse.
Tui kritisiert zusätzliche Belastungen
Deutlich kritischer äußerte sich der Reisekonzern Tui. Das Unternehmen verwies auf einen LinkedIn-Beitrag von Vorstandschef Sebastian Ebel. Darin beklagte er zusätzliche Bürokratie und eine mögliche steuerfreie Sonderzahlung von 1.000 Euro je Mitarbeiter zulasten der Unternehmen. Viele Betriebe hätten ohnehin kaum noch finanziellen Spielraum.
Andere große Unternehmen wollten sich auf Anfrage gar nicht äußern. Dazu gehören DHL beziehungsweise die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, Opel und die Deutsche Bahn.
Auch im Mittelstand überwiegt die Zurückhaltung
Nicht nur bei Großkonzernen, auch im Mittelstand sind die Aussichten auf eine breite Auszahlung derzeit gering. Laut einer Blitzumfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft unter mehr als 2.000 Unternehmen kann sich nur etwa ein Fünftel vorstellen, den Krisenbonus zu zahlen. Rund die Hälfte habe sich bereits dagegen entschieden, berichtete das ZDF. Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband erklärte, viele Betriebe der Branche könnten sich eine solche Prämie nicht leisten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion