Der vor der Ostseeinsel Poel festliegende Buckelwal ist weiterhin nicht frei. Für die Rettung gibt es aber einen wichtigen Fortschritt: Das neue Transportkonzept der privaten Hilfsinitiative darf umgesetzt werden. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte im Hafen von Kirchdorf, der Plan werde geduldet. Die Verantwortung bleibe jedoch bei der Initiative. Nach Einschätzung der beteiligten Kleintierärztinnen gilt das Tier derzeit als transportfähig.
Das etwa zwölf Meter lange und rund zwölf Tonnen schwere Tier liegt noch immer in der Kirchsee-Bucht im Flachwasser. Es handelt sich nach Angaben des Ministeriums um einen vier bis sechs Jahre alten Walbullen. Am Montag war der Buckelwal bei steigendem Wasserstand kurz losgeschwommen, dann aber erneut gestrandet.
Transport durch eigens gegrabene Rinne geplant
Das überarbeitete Konzept sieht vor, den Meeressäuger von seinem derzeitigen Platz durch eine mehr als 100 Meter lange, künstlich ausgehobene Rinne in Richtung tieferes Wasser zu bewegen. Nach Angaben aus dem Rettungsteam war diese Rinne bereits weitgehend fertiggestellt.
Von dort aus soll der Wal zu einer großen absenkbaren Barge gelangen – im Grunde zu einer Art stählernem Aquarium. Über die geöffnete Heckklappe soll das Tier in das mit Wasser gefüllte Transportbecken schwimmen oder vorsichtig dorthin bugsiert werden. Anschließend soll das Becken von einem Schlepper in Richtung Nordsee gezogen werden, möglicherweise sogar weiter bis in den Atlantik.
Barge noch nicht vor Ort
Der eigentliche Transport kann allerdings erst beginnen, wenn die Barge vor Poel eingetroffen ist. Derzeit befindet sich der Lastkahn noch nicht vor der Insel. Nach Angaben von Backhaus soll am Abend bekanntgegeben werden, wann das Spezialschiff ankommen wird.
Die an der Rettungsaktion beteiligte Kleintierärztin Kirsten Tönnies sagte, die Initiative gehe derzeit davon aus, dass der Transport des Wals mit dem Lastkahn zwischen Dienstag und Mittwoch starten könne. Sie betonte zugleich, das Team warte dringend auf die Barge. Für ein Wildtier sei die Lösung im Rahmen der Möglichkeiten vergleichsweise komfortabel.
Route über Kanal und Werft geplant
Nach Angaben von Backhaus soll die Barge durch den dafür gesperrten Nord-Ostsee-Kanal gezogen und anschließend mit dem Schlepper „Robin Hood“ von Kiel nach Wismar gebracht werden. In einer Werft in Wismar soll das Gefährt noch angepasst und unter anderem mit Sand ausgelegt werden, damit die Umgebung für den Wal möglichst schonend ist.
Falls es gelingt, den Buckelwal tatsächlich in die Barge zu bewegen, könnte danach erneut eine Fahrt durch den Kanal anstehen, um das Tier weiter in Richtung Nordsee zu bringen.
Sandsäcke als Schutzbarriere in der Bucht
Mitarbeiter der privaten Initiative hatten rund 40 mit Sand gefüllte Big Bags verladen und mit einem Schwimmponton in die Kirchsee-Bucht gebracht. Dort wurde begonnen, sie in der Nähe des Wals zu platzieren.
Die Sandsäcke sollen als Barriere dienen und verhindern, dass sich das Tier bei steigendem Wasserstand noch weiter in die Flachwasserzone bewegt. Schon einmal war der Wal bei höherem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Für Sonntag wurden erneut höhere Wasserstände erwartet.
Hoffnung auf Eigenbewegung – Tracker mit Schwäche
Backhaus schloss nicht aus, dass sich der Wal bei weiter steigendem Wasserstand womöglich schon in den frühen Morgenstunden des Sonntags selbst auf den Weg machen könnte.
Für diesen Fall oder falls der Wal in den kommenden Tagen nicht auf den Kahn will, ist bereits ein Tracker am Tier befestigt. Allerdings hat das System einen entscheidenden Nachteil: Es sendet nicht unter Wasser. Taucht der Wal ab oder sinkt er auf den Grund, wäre seine Position damit nicht mehr zuverlässig zu erfassen. Nach Angaben des Ministers wird an einer besseren Lösung gearbeitet.
Wind und Wellen erschweren weiter den Einsatz
Trotz des Fortschritts bleibt die Lage schwierig. Starker Wind und Wellengang erschweren die Arbeiten vor Ort weiterhin. Nach Angaben aus dem Team ist es deshalb zeitweise nicht möglich, direkt am Wal zu arbeiten.
Wal seit mehr als 50 Tagen in der Ostsee
Der Buckelwal war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden, am 3. März im Hafen von Wismar. Seitdem sind mehr als 50 Tage vergangen. Nach Einschätzung von Experten verbrachte das Tier deutlich mehr als die Hälfte dieser Zeit in Flachwasserzonen.
Fachleute vermuten, dass der Wal diese Bereiche gezielt aufgesucht haben könnte, weil er schwer erkrankt ist und dort Ruhe gesucht hat.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion