Am 21. April 1976 öffnete in Iowa City der erste Aldi-Markt in den Vereinigten Staaten. Zwar verschwand diese Filiale schon nach kurzer Zeit wieder, doch sie markierte den Auftakt einer Entwicklung, die sich als großer Erfolg erwies. Fünf Jahrzehnte später betreibt Aldi in den USA mehr als 2.600 Standorte.
Schon 1961 hatten die Brüder Karl und Theo Albrecht ihr Unternehmen in zwei getrennte Gruppen aufgeteilt. Seitdem ist die Zuständigkeit auch international klar verteilt: Aldi Nord ist unter anderem in Frankreich, den Niederlanden, Polen und Spanien aktiv, Aldi Süd etwa in Großbritannien, Italien, Australien und den USA.
Der Schritt auf den amerikanischen Markt begann 1976. Damals führte Aldi Süd in Deutschland bereits mehr als 500 Filialen. Karl Albrecht übernahm in den USA die kleine Supermarktkette Benner Tea Co. im Mittleren Westen. Damit bekam Aldi Zugriff auf Lagerkapazitäten, Verwaltungsstrukturen und erfahrene Führungskräfte. Auf dieser Grundlage wurden Geschäfte in Iowa, Illinois und Missouri nach und nach in Aldi-Filialen umgewandelt.
Schlichtes Konzept statt großer Supermarkt-Welt
In Anzeigen warb Aldi im April 1976 mit "10 Gründen, warum Aldi billiger verkauft". Den Kundinnen und Kunden wurde dabei früh klargemacht, worauf sie sich einstellen mussten: keine kostenlosen Tüten, kaum Kühl- oder Tiefkühlware, fast keine leicht verderblichen Produkte und keine aufwendig gestaltete Ladeneinrichtung. Die Botschaft war eindeutig: wenig Aufwand, niedrige Preise.
Damit unterschied sich Aldi deutlich von vielen US-Supermärkten, die große Verkaufsflächen, ein breites Markensortiment und breite Gänge boten. In den ersten Aldi-Märkten gab es weniger als 500 Produkte, fast ausschließlich Eigenmarken. Die Waren lagen oft direkt in den Kartons, in denen sie angeliefert wurden. Kundinnen und Kunden mussten ihre Einkäufe selbst einpacken. Das aus Deutschland bekannte Discountmodell wurde nahezu unverändert übernommen.
Nach Einschätzung des Handelsexperten Markus Schröder verlief der Start schwierig. Das Aldi-Prinzip habe damals nur wenig mit den Erwartungen vieler amerikanischer Verbraucher gemein gehabt. Die schlicht eingerichteten Läden, die kleine Auswahl, fehlende Preisschilder, Gebühren für Tüten und Pfandwagen seien für viele ungewohnt gewesen.
Vom Billiganbieter zum Massenphänomen
Zunächst haftete Aldi in den USA das Image eines Händlers für Menschen mit wenig Geld an. Die erste Filiale schloss rasch wieder, unter anderem weil sie laut Schröder zu groß gewesen sei und in einem ungünstig gelegenen Einkaufszentrum lag. Dennoch etablierte sich das Unternehmen Schritt für Schritt. Entscheidender Vorteil war das kompromisslose "No-Frills"-Prinzip: einfache Abläufe, kein Schnickschnack, maximale Kostendisziplin. Genau das machte sehr günstige Preise möglich.
1981 zählte Aldi in den USA bereits mehr als 100 Filialen. 2009 wurde die 1.000. Filiale eröffnet, 2020 die 2.000. Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI setzte Aldi Süd in den USA 2024 rund 29,5 Milliarden Euro um – etwa zehn Milliarden Euro mehr als in Deutschland.
Mit den Märkten der Anfangsjahre haben die heutigen Filialen kaum noch etwas gemeinsam. Die Läden sind heller, moderner und großzügiger gestaltet. Auch das Publikum hat sich verändert: Aldi spricht inzwischen längst nicht mehr nur preisbewusste Haushalte mit geringem Einkommen an, sondern zunehmend auch wohlhabendere Kundschaft.
Das US-Filialnetz von Aldi Süd ist inzwischen größer als das in Deutschland. Das Unternehmen ist in den meisten Bundesstaaten vertreten, beschäftigt landesweit mehr als 45.000 Menschen und steuert sein Amerika-Geschäft von Batavia im Bundesstaat Illinois aus.
Niedrige Preise als starkes Argument
Wer in den USA über Aldi spricht, nennt meist zuerst die günstigen Preise. Denn Lebensmittel kosten dort oft deutlich mehr als in Deutschland. Ein Einkauf im Supermarkt kann schnell teuer werden, sodass Discounter für viele Haushalte attraktiv sind.
Besonders Produkte wie Mineralwasser, Butter, Rindfleisch, zahlreiche Milchprodukte, Tiefkühlpizza oder Brot in deutscher Qualität sind in den USA häufig deutlich kostspieliger. Gerade beim Brot punkten deutsche Discounter. Hinzu kommt: Über Apps können Kundinnen und Kunden in vielen Regionen bestellen und sich den Einkauf liefern lassen – ein Service, der in Deutschland bislang nur begrenzt verfügbar ist. Vielen Amerikanerinnen und Amerikanern ist dabei gar nicht bewusst, dass Aldi aus Deutschland stammt.
Schröder nennt Aldi in den USA "brutal erfolgreich". Vor allem in Zeiten hoher Inflation seien niedrige Preise ein starkes Verkaufsargument. Zudem fehle ein direkter Wettbewerber mit einem wirklich vergleichbaren Konzept. Auch die wöchentlichen Sonderaktionen stoßen auf große Resonanz. Die Facebook-Gruppe "Aldi Aisle of Shame Community", die sich mit den Non-Food-Angeboten in der Mittelgasse der Filialen beschäftigt, zählt rund vier Millionen Mitglieder.
Aldi ist neben Deutschland heute in 17 weiteren Ländern aktiv, darunter China und Australien. In den USA sind beide Aldi-Gruppen vertreten: Aldi Nord allerdings über Trader Joe’s. Die Kette kommt dort auf mehr als 630 Märkte.
Klar vor Lidl – und weiter auf Expansionskurs
Beim Blick auf den Rivalen Lidl dürfte Aldi mit Zufriedenheit auf die USA schauen. Während sich beide Discounter in Deutschland eng messen, ist der Abstand in Amerika deutlich. Lidl ist dort erst seit 2017 präsent und betreibt lediglich rund 200 Filialen, vor allem an der Ostküste und im Südosten.
Bei Aldi dagegen ist die Expansion noch lange nicht abgeschlossen. Schon in diesem Jahr sollen zahlreiche weitere Märkte hinzukommen. Bis Ende 2026 peilt das Unternehmen 2.800 Standorte an. Damit könnte Aldi Kroger überholen und hinter Walmart zum zweitgrößten Lebensmittelhändler des Landes aufsteigen. Bis Ende 2028 sollen es sogar 3.200 Geschäfte sein.
Die "New York Times" schrieb zuletzt, Aldis leidenschaftliche, fast kultartige Fangemeinde treibe die ehrgeizigen Wachstumspläne zusätzlich an. Auch Fachleute sehen weiter viel Potenzial. Das Discountsegment wächst in den USA deutlich, während preisorientierte Kundschaft zunimmt und Discounter gegenüber klassischen Supermärkten Marktanteile gewinnen. Vieles spricht daher dafür, dass Aldis amerikanische Erfolgsgeschichte noch nicht zu Ende erzählt ist.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion