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Rettungseinsatz für Buckelwal vor Poel geht in den vierten Tag

Seit 20 Tagen liegt der tonnenschwere Buckelwal vor der Ostseeinsel Poel fest. Möglicherweise wird das Tier heute aus seiner misslichen Lage befreit – die Arbeiten der privaten Initiative ziehen sich.

19.04.2026, 08:08 Uhr

Die private Aktion zur Rettung des vor der Ostseeinsel Poel festsitzenden Buckelwals wird am Sonntag fortgesetzt. Auch am Samstag arbeiteten Helfer den ganzen Tag in unmittelbarer Nähe des Tieres. Dabei wurde unter anderem eine schwimmende Arbeitsplattform näher an den Wal herangebracht. Ein Abtransport ins offene Meer gelang jedoch auch am dritten Einsatztag noch nicht, sagte die an der Aktion beteiligte Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert.

Seit Donnerstag versucht die Initiative, den geschwächten Meeressäuger lebend zurück in Richtung Nordsee zu bringen. Ursprünglich war vorgesehen, bei erfolgreichem Verlauf bereits am Freitag mit dem Transport zu beginnen.

Initiative hält sich beim Zeitplan bedeckt

Wie der weitere Ablauf intern geplant ist, wollte das Team am Samstag nicht offenlegen. Man wolle sich keinen zusätzlichen Druck von außen machen lassen, hieß es. Bahr-van Gemmert erklärte, die Arbeiten kämen gut voran, räumte aber zugleich ein, dass man gerne schneller wäre.

Der Wal liegt am Sonntag bereits seit 20 Tagen an derselben Stelle in der Kirchsee in der Wismarer Bucht.

„Wir tun das Bestmögliche für den Wal“

Nach Einschätzung der Veterinärin ist die Lage schwierig. Dennoch seien die Beteiligten überzeugt, im Sinne des Tieres zu handeln. Es mit anzusehen, wie der Wal aus eigener Kraft aus seiner misslichen Lage herauszukommen versuche, sei aus ihrer Sicht ebenso wenig tierschutzgerecht wie ihn ohne Hilfe sterben zu lassen.

Am Samstag wollten die Helfer nach ihren Angaben auch das Maul des Wals kontrollieren. Dabei sollte geprüft werden, ob sich noch Netzreste in den Barten befinden. Dieser Versuch blieb jedoch ohne Erfolg.

Kritik aus Wissenschaft und von anderen Fachleuten wies Bahr-van Gemmert zurück. Viele dieser Stimmen hätten das Tier nicht selbst vor Ort gesehen. Ihrer Ansicht nach hat der Wal weiterhin eine reale Überlebenschance. Diese Einschätzung werde auch von Expertinnen und Experten geteilt, die aktuell am Einsatzort seien.

Viele Fachleute sehen keine Chance auf Rückkehr

Zahlreiche Wissenschaftler, Behördenvertreter und Mitarbeitende von Umweltorganisationen kommen nach eingehender Prüfung dagegen zu einem anderen Schluss. Ihrer Ansicht nach braucht das Tier vor allem Ruhe. Weitere Eingriffe könnten schwere Schäden verursachen. Der Buckelwal sei orientierungslos, stark geschwächt und körperlich so beeinträchtigt, dass er eine Rückkehr nicht schaffen werde.

Ein Sprecher von Greenpeace erklärte, der Zustand des Wals lasse sich gut an seiner Atmung erkennen. Bei gestrandeten Tieren werde die Ausatmung flacher und wirke eher wie ein Seufzen statt wie das typische kräftige Ausblasen. Genau dieses Muster sei bei dem Buckelwal zunehmend zu beobachten.

Der Meeresbiologe erläuterte zudem, dass kranke Wale ein verändertes Atemverhalten zeigen. Entscheidend seien weniger die Abstände zwischen den Atemzügen als deren Art. Buckelwale dieser Art würden normalerweise zwei kurze, schnelle Atemzüge im Abstand von 20 bis 30 Sekunden machen, gefolgt von einer Pause von zwei bis fünf Minuten.

Greenpeace zweifelt an Erfolg der Rettung

Greenpeace misst dem privaten Rettungsversuch nur geringe Erfolgsaussichten bei. Selbst wenn das Tier befreit werde, könne es im schlimmsten Fall später in der Nordsee sterben, so die Organisation. Angesichts des großen öffentlichen Interesses, des Motorenlärms, der Boote und der Taucher müsse zudem gefragt werden, ob das Vorgehen dem Tierwohl überhaupt noch diene.

Nach eigenen Angaben beteiligt sich Greenpeace nicht an der laufenden Aktion, da der Wal nach den vorliegenden Informationen krank und stark entkräftet sei.

Was am Samstag geschah

Bis Samstagabend liefen die Vorbereitungen für eine mögliche Bergung weiter. Anders als am Freitag, als der Wal auf die Annäherung eines Tauchers mit heftigen Bewegungen reagiert hatte, blieb das Tier am Samstag meist ruhig. Gelegentlich zeigte es leichte Bewegungen, zudem waren in regelmäßigen Abständen Atemfontänen zu sehen.

Helfer legten am Morgen erneut feuchte Tücher auf den Rücken des Wals und beobachteten ihn weiter. Später wurde ein großer Schlauch ins Wasser gebracht. Nach früheren Angaben soll damit im Bereich unter dem Tier Sand oder Sediment weggespült werden, damit der Wal anschließend mit Luftkissen angehoben werden kann.

Plan mit Pontons und Tragetuch

Nach dem Konzept der privaten Initiative soll unter den Wal eine Plane geführt werden, die zwischen schwimmenden Pontons befestigt ist. So soll das Tier aus dem flachen Bereich gehoben und anschließend in Richtung Nordsee transportiert werden. Die Pontons sollen dabei von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden.

Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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