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Rettung des gestrandeten Buckelwals wohl erst ab Samstag

Seit 18 Tagen liegt der Buckelwal fest – Helfer setzen alles daran, das Tier mit einer aufwendigen Aktion aus der Bucht vor Poel zu retten. Wie es dem Wal aktuell geht und wie die Pläne aussehen.

17.04.2026, 21:14 Uhr

Am Abend kehrte rund um den vor der Insel Poel festsitzenden Buckelwal zunächst Ruhe ein. Das Tier zeigte kaum noch größere Bewegungen und lag weitgehend reglos im Wasser. Zuvor hatten Helfer in Schutzanzügen im bauchtiefen Wasser gearbeitet und den tonnenschweren Meeressäuger immer wieder mit nassen Tüchern feucht gehalten. Zeitweise setzten sich sogar Möwen auf den Wal.

Privater Rettungseinsatz läuft weiter

Auch am zweiten Tag wurde die private Hilfsaktion mit Hochdruck fortgesetzt. Ein eigentlicher Bergungsversuch ist nach Angaben der Beteiligten jedoch frühestens für Samstag vorgesehen. Am Freitag hätten zunächst Tests zum Freispülen begonnen, sagte Fred Babbel, Leiter des beauftragten Tauchunternehmens. Nun werde die Ausrüstung in Stellung gebracht und für die Nacht gesichert, bevor es am nächsten Morgen weitergehen könne.

Zuvor war am Nachmittag eine große Palette mit Plane in den Hafen von Kirchdorf gebracht worden. Nach den Plänen der Initiative soll der Buckelwal auf dieser Plane transportiert werden. Ein genauer Startzeitpunkt bleibt aber offen. Laut dem Team richtet sich der Ablauf vor allem nach dem Zustand des Tieres.

Schwimmgerät in der Nähe des Tieres positioniert

Ein Schwimmbagger verließ mittags den Hafen von Kirchdorf und nahm am frühen Nachmittag nahe des Wals auf dem Meer Stellung. Das Tier liegt in einer Bucht bei der Insel.

Am Morgen hatte der Buckelwal auf einen näher kommenden Taucher noch heftig reagiert. In Livestreams war zu sehen, wie er kräftig mit der Schwanzflosse schlug und sich fast um 90 Grad drehte. Nach wenigen Minuten beruhigte er sich jedoch wieder und lag erneut still im Wasser. Später fuhren Helfer nochmals mit einem Boot hinaus und wechselten die feuchten Tücher auf seinem Rücken aus.

Auch Mitarbeiter des Umweltministeriums sowie des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie waren am Vormittag mit einem Polizeischlauchboot zum Wal gefahren.

Viele Beobachter im Hafen

Schon am Vormittag waren die Vorbereitungen für einen neuen Rettungsanlauf deutlich angelaufen. An der Kaimauer im Hafen von Kirchdorf richteten Helfer eine große Arbeitsplattform ein. Dort standen unter anderem Schläuche, eine Pumpe, ein mobiler Kran und weiteres Arbeitsmaterial bereit. Mehrere kleinere Schwimmpontons lagen ebenfalls an Land.

Neben mehreren Fernsehteams kamen zeitweise auch etwa 30 Schaulustige in den Hafen, um das Geschehen zu verfolgen.

Wal seit 18 Tagen an derselben Stelle

Der geschwächte Buckelwal liegt inzwischen seit 18 Tagen unverändert in der Kirchsee in der Wismarer Bucht fest.

Fachleute aus Wissenschaft, Behörden und Nichtregierungsorganisationen waren nach eingehender Prüfung zuletzt zu dem Schluss gekommen, dass das Tier vor allem Ruhe brauche. Weitere Eingriffe könnten ihm erhebliche Schäden zufügen. Nach ihrer Einschätzung ist der Wal desorientiert, stark geschwächt und so sehr beeinträchtigt, dass er eine Rückkehr in seinen natürlichen Lebensraum wohl nicht schaffen würde.

Private Initiative sieht weiter Chancen

Das Team der privaten Rettungsaktion zeigte sich am Freitag dennoch zuversichtlich. Janine Bahr-van Gemmert, Kleintierärztin und Leiterin eines Robbenzentrums auf Föhr, sagte im Hafen von Kirchdorf, der Wal habe weiterhin eine reale Chance, aus seiner Lage befreit zu werden. Ziel sei es, dem Tier möglichst stressfrei zu helfen.

Die kräftigen Bewegungen vom Morgen wertete sie als positives Signal. Dass sich der Wal beim Drehen deutlich bewegt habe, spreche ihrer Ansicht nach eher gegen schwere Verletzungen. Für sie zeige das Tier damit, dass es sich noch bewegen wolle. Zugleich betonte sie, dass der derzeitige Ort für ein ruhiges Verenden ungeeignet sei, da die Umgebung völlig untypisch für einen Buckelwal sei.

Verzögerung bei der Aktion

Der private Rettungsversuch verzögert sich nach Angaben der Organisatoren. Walter Gunz, Mitgründer von MediaMarkt und zusammen mit Unternehmerin Karin Walter-Mommert Finanzier der Aktion, sagte, man liege einen Tag hinter dem Zeitplan. Ein Teil des vorgesehenen Programms habe am ersten Einsatztag nicht umgesetzt werden können. Damit ist der ursprüngliche Ablauf offensichtlich nicht mehr einzuhalten.

Noch am Mittwoch hatte Umweltminister Till Backhaus erklärt, die Initiative wolle den Wal am Donnerstag freispülen, damit er am Freitag in Richtung Atlantik gebracht werden könne.

So soll die Bergung ablaufen

Geplant ist, den Buckelwal auf einer Plane zwischen zwei Pontons in Richtung Nordsee zu transportieren. Dafür muss die Plane zunächst unter den Körper des Tieres gebracht werden. Vorgesehen ist, den Wal mithilfe von Luftkissen anzuheben. Zuvor muss allerdings Schlamm unter ihm weggespült werden. Anschließend sollen die Pontons von einem Schlepper an einem langen Seil gezogen werden.

Die beiden Pontons sollen so angeordnet werden, dass in ihrer Mitte eine freie Fläche von etwa sechs mal zwölf Metern entsteht. Dort soll sich der Wal während des Transports befinden. Nach Einschätzung von Fred Babbel macht das Tier derzeit keinen allzu schlechten Eindruck.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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