Die Deutsche Post erfüllt die gesetzlichen Vorgaben zur flächendeckenden Präsenz mit Filialen noch immer nicht vollständig, macht nach Angaben der Bundesnetzagentur aber Fortschritte. Mitte April fehlten bundesweit an 130 vorgeschriebenen Standorten Postfilialen. Im September waren es noch rund 30 mehr.
Eine Sprecherin des Unternehmens führte die Lücken vor allem auf den Wandel im Einzelhandel zurück, insbesondere in ländlichen Regionen. Dort schließe häufig das letzte Geschäft, das bislang als Partnerfiliale dienen konnte. Die Post arbeite nach eigener Darstellung intensiv an Ersatzlösungen und spricht von nur vorübergehenden Ausfällen. Insgesamt betreibt das Unternehmen nach eigenen Angaben 12.400 Filialen in Deutschland, sodass der Anteil der fehlenden Standorte vergleichsweise klein sei.
Nach den geltenden Regeln muss die Post in Ortschaften mit mehr als 2.000 Einwohnern eine Filiale anbieten. In größeren Orten und Städten darf die nächste Filiale in zusammenhängend bebauten Gebieten höchstens zwei Kilometer entfernt sein. Meist handelt es sich dabei nicht um klassische Postämter, sondern um Schalter in Supermärkten, Kiosken oder anderen Läden, an denen Kunden Briefmarken kaufen oder Pakete aufgeben können. Gerade auf dem Land oder am Stadtrand geraten solche Geschäfte jedoch oft wirtschaftlich unter Druck und schließen irgendwann – damit verschwindet häufig auch die Postfiliale.
Automaten können inzwischen als Filiale zählen
Weil dieses Problem bekannt ist, wurde die gesetzliche Regelung zuletzt gelockert. Seit dem vergangenen Jahr können auch automatisierte Poststationen als Filiale anerkannt werden. An diesen Stationen lassen sich fast alle wichtigen Postdienstleistungen nutzen: Briefmarken kaufen, Briefe einwerfen, Pakete frankieren, Sendungen abgeben und abholen. Zusätzlich gibt es per Bildschirm eine Video-Beratung.
Nach Angaben der Post helfen diese Stationen vor allem dort, wo sich keine Filialpartner mehr finden lassen. Sie würden in Kommunen sowie bei Bürgerinnen und Bürgern auf breite Zustimmung stoßen.
Damit eine solche Station offiziell als Filiale gilt, muss allerdings die Bundesnetzagentur zustimmen; zuvor erfolgt eine Abstimmung mit der jeweiligen Kommune. Die Behörde teilt mit, dass die Post bislang 846 Anträge auf Anerkennung automatisierter Standorte gestellt habe. Die meisten befänden sich noch in Prüfung. Bis Ende März seien 137 Genehmigungen erteilt worden. Fast alle bewilligten Stationen standen demnach an Orten, an denen zuvor ein vorgeschriebener Standort unbesetzt war. Die Bundesnetzagentur bewertet die Automaten grundsätzlich positiv, auch weil sie rund um die Uhr zugänglich sind.
Vor allem kleinere Orte betroffen
Zu den Gemeinden, in denen Mitte April eine Filiale vorgeschrieben gewesen wäre, tatsächlich aber keine vorhanden war, zählen unter anderem Struppen in Sachsen, Röderland in Brandenburg, Bröckel in Niedersachsen, Balve-Garbeck in Nordrhein-Westfalen, Zuzenhausen in Baden-Württemberg und Penzing in Bayern.
Neben den Abstands- und Präsenzvorgaben muss die Post außerdem bundesweit mindestens 12.000 Filialen unterhalten. Diese Gesamtzahl erreicht sie mit ihren 12.400 Standorten zwar problemlos. Das Problem liegt also nicht in der Gesamtmenge, sondern darin, dass Filialen nicht immer an den gesetzlich vorgeschriebenen Orten vorhanden sind.
Auffällig ist zudem, dass die Zahl der unbesetzten Pflichtstandorte trotz der neuen Anrechnung von Automaten bislang nicht deutlich stärker gesunken ist. Im Juli 2024, also noch vor der neuen Regelung, lag die Zahl bei 141 und damit nur wenig über dem aktuellen Wert. Schon seit Jahren schwankt die Zahl der fehlenden Standorte teils erheblich: Im Januar 2023 waren es 174, im Oktober 2023 dagegen nur noch 73 – also ungefähr halb so viele wie derzeit.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion