Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat Hassrede und Diskriminierung auf Bühnen im Kultursektor deutlich kritisiert. Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte er, mit großer Sorge zu beobachten, dass Künstlerinnen und Künstler ihre Auftritte nutzten, um vor großem Publikum antiisraelische Hetze und Hass zu verbreiten.
Mit Blick auf Kanye West erklärte Klein, der Musiker sei wiederholt durch antisemitische, rassistische und den Holocaust verharmlosende Aussagen aufgefallen. In Großbritannien sei ihm zuletzt die Einreise verweigert worden. Zuvor hatte Premierminister Keir Starmer geplante Festivalauftritte des Rappers in London als zutiefst beunruhigend bezeichnet.
Auch in Polen wurde ein geplanter Auftritt abgesagt. Das Konzert, das am 19. Juni im schlesischen Chorzów stattfinden sollte, werde aus formalen und rechtlichen Gründen nicht durchgeführt, teilte der Direktor des Stadions auf der Internetseite der Arena mit. Kulturministerin Marta Cienkowska schrieb auf X, es gehe um einen Künstler, der sich öffentlich antisemitisch äußere und mit dem Verkauf von T-Shirts mit Hakenkreuzen Geld verdiene. In einem Land, das historisch vom Holocaust geprägt sei, dürfe man das nicht als bloße Unterhaltung behandeln. Künstlerische Freiheit bedeute nicht, dass alles zulässig sei. Kultur dürfe kein Ort für Menschen sein, die dort Verachtung verbreiteten.
Holocaust-Überlebende verlangen Auftrittsverbote
Überlebende von Auschwitz begrüßten die Entscheidung aus Großbritannien und forderten vergleichbare Schritte auch in anderen europäischen Staaten. Christian Heuber vom Internationalen Auschwitz-Komitee erklärte, die Äußerungen des Rappers hätten nicht nur Holocaust-Überlebende und deren Angehörige verletzt, sondern könnten zudem antisemitische Haltungen stärken.
Ein Konzert in Polen wäre vor diesem Hintergrund besonders sensibel gewesen. Während des Zweiten Weltkriegs errichtete das nationalsozialistische Deutschland im besetzten Polen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Der Ort steht bis heute als Symbol für den Holocaust und die Verbrechen des NS-Regimes. Zwischen 1940 und 1945 wurden dort rund 1,1 Millionen Menschen ermordet oder starben an Hunger und Krankheiten, die meisten von ihnen Jüdinnen und Juden.
Rapper verweist auf bipolare Störung
Kanye Omari West gilt als einer der prägendsten, zugleich aber auch umstrittensten Künstler der Musikbranche. Der 48-Jährige sorgte immer wieder mit rassistischen und antisemitischen Aussagen für Empörung. Im Jahr 2025 veröffentlichte er einen Song mit dem Titel "Heil Hitler". Anfang dieses Jahres bat er schließlich in einer ganzseitigen Anzeige im "Wall Street Journal" um Entschuldigung. Darin schrieb der Ex-Ehemann von Kim Kardashian, er sei weder Nazi noch Antisemit, und führte frühere Äußerungen auf seine bipolare Störung zurück.
Ein geplantes Konzert in Frankreich hatte der inzwischen unter dem Namen Ye auftretende Musiker zuvor selbst abgesagt, nachdem ein Verbot seines Auftritts in Marseille im Raum gestanden hatte.
Kritik betrifft auch andere Musiker
Felix Klein verwies in seiner Stellungnahme außerdem auf einen weiteren Vorfall aus dem Musikbereich. Er erinnerte an einen Festivalauftritt in Südengland im vergangenen Sommer, bei dem ein Rapper das Publikum mit antiisraelischen Parolen angeheizt habe. Gemeint war ein Musiker des Punk-Rap-Duos Bob Vylan, der im Juni des Vorjahres mit dem Ruf "Death, death to the IDF" das Publikum zu entsprechenden Sprechchören animiert hatte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion