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Olympia-Bewerbung aus NRW erhält Rückenwind: So geht es nach dem Bürger-Votum weiter

Deutschlands Olympia-Macher spüren den Rückenwind: Die klare Zustimmung aus Nordrhein-Westfalen für eine Bewerbung ist ein deutliches Signal. Was das für die Spiele-Hoffnungen bedeutet.

20.04.2026, 06:57 Uhr

Noch bis tief in die Nacht wurden in Köln Stimmen ausgezählt, doch für die Olympia-Initiative in Nordrhein-Westfalen stand der Kurs schon fest. Ministerpräsident Hendrik Wüst wertete das Ergebnis als starkes Signal für eine deutsche Bewerbung um Olympische und Paralymische Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044. Aus seiner Sicht kommt damit ein historisch bedeutsamer Rückhalt für das Projekt aus NRW.

In 16 von 17 beteiligten Kommunen wurde die notwendige Zustimmung erreicht. Nach Angaben von Wüst stimmten rund zwei Drittel der etwa 1,4 Millionen Teilnehmenden für das Konzept „KölnRheinRuhr“. In Köln wurde das Endergebnis erst in der Nacht zum Montag festgestellt. Dort fiel die Zustimmung mit 57,39 Prozent zwar am niedrigsten aus, reichte aber ebenfalls für ein Ja. Lediglich in Herten blieb die Beteiligung unter den erforderlichen Vorgaben.

Wie es jetzt weitergeht

Das Votum in NRW ist ein wichtiger Etappensieg, bedeutet aber noch keine Entscheidung auf nationaler Ebene. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will am 26. September auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung festlegen, mit welchem von vier deutschen Konzepten das Land in das internationale Auswahlverfahren geht.

Bis Anfang Juni können die Bewerber ihre Unterlagen noch überarbeiten. Bei der Bewertung berücksichtigt der DOSB nicht nur die Ergebnisse der Bürgerentscheide, sondern auch andere Faktoren wie internationale Konkurrenzfähigkeit, sportliche und organisatorische Eignung sowie Fragen zu Kosten und Finanzierung.

Reaktion des DOSB

Beim DOSB wird das klare Votum aus Nordrhein-Westfalen als zusätzlicher Schub gewertet. Nach gescheiterten Bürgerentscheiden in der Vergangenheit sieht sich der Verband in seinem veränderten Kurs bestätigt. Nach dem positiven Signal aus München gibt es nun auch aus dem Westen deutliche Unterstützung.

DOSB-Präsident Thomas Weikert betonte, die Zustimmung zeige, dass die Begeisterung für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland nicht auf einzelne Regionen beschränkt sei. IOC-Mitglied Michael Mronz sprach von einem Resultat, das auch international Aufmerksamkeit erzeugen dürfte.

Die Lage der anderen deutschen Bewerber

München rechnet sich ebenfalls gute Chancen aus. Dort hatten sich im vergangenen Herbst 66,4 Prozent der Abstimmenden für eine Bewerbung ausgesprochen. Die hohe Beteiligung von 42 Prozent wurde als starkes Zeichen gewertet.

In Hamburg steht der Bürgerentscheid noch bevor: Am 31. Mai soll über die Bewerbung der Hansestadt abgestimmt werden. Jüngste Umfragen deuteten jedoch auf eine eher zurückhaltende Stimmung hin. Rückenwind erhofft sich Hamburg nach dem klaren Ja in Kiel, das sich als Austragungsort für die olympischen Segelwettbewerbe positionieren möchte.

Berlin verzichtet dagegen auf einen Volksentscheid. Dort soll das Abgeordnetenhaus über die Bewerbung entscheiden. Umfragen zufolge kann sich dennoch eine deutliche Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner Olympische und Paralympische Spiele in der Hauptstadt vorstellen.

Womit NRW punkten will

Nordrhein-Westfalen wirbt mit der Aussicht auf besonders kompakte, spektakuläre und nachhaltige Spiele. Im Mittelpunkt steht die Idee, weitgehend auf bestehende Sportstätten zu setzen und Neubauten zu vermeiden. Die Organisatoren stellen unter anderem große Zuschauerzahlen und markante Wettkampforte in Aussicht, etwa Schwimmwettbewerbe auf Schalke oder Fußballspiele in Dortmund.

Zudem verweist die Initiative darauf, dass in den 17 möglichen Gastgeberstädten mehr als vier Millionen Menschen in den Prozess einbezogen worden seien. Aus Sicht der Planer ist das ein Alleinstellungsmerkmal. Wüst sprach deshalb von einer Bewerbung mit außergewöhnlich breiter gesellschaftlicher und politischer Stabilität.

Wie realistisch ist eine deutsche Olympia-Bewerbung?

International wäre die Konkurrenz groß. Für 2036 bringen sich bereits Indien und Katar in Stellung. Auch Saudi-Arabien gilt nach der Fußball-WM 2034 als möglicher Interessent. In Europa könnte Madrid ein besonders starker Mitbewerber werden. Für spätere Ausgaben, etwa 2040 oder 2044, wird zudem Südafrika als Kandidat gehandelt.

Noch ist allerdings offen, nach welchem Verfahren die nächsten Spiele vergeben werden. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat eine Kommission eingesetzt, die den bestehenden Auswahlprozess überprüfen soll. Ergebnisse werden bis Ende Juni erwartet. Danach dürften auch die deutschen Bewerber ihre Strategien anpassen.

Warum Deutschland Olympische Spiele will

Aus Sicht vieler Sportverbände, Athletenvertreter und der Bundesregierung könnte eine Olympia-Bewerbung dem deutschen Sport neue Perspektiven eröffnen. Die Hoffnung: mehr öffentliche Aufmerksamkeit, bessere Strukturen und stärkere finanzielle Unterstützung. Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein machte zuletzt deutlich, dass Deutschland aus ihrer Sicht ein solches Großprojekt brauche.

Was Kritiker anführen

Gegner des Vorhabens halten die möglichen Kosten für zu hoch. Ihrer Ansicht nach seien zentrale Ausgaben, etwa für Sicherheit, in bisherigen Kalkulationen noch nicht vollständig berücksichtigt. Außerdem argumentieren sie, öffentliche Mittel seien in Bereichen wie Wohnungsbau oder Stadtentwicklung sinnvoller angelegt. Das Bündnis „NOlympia Köln“ verwies zudem darauf, dass sich viele Menschen gar nicht an der Abstimmung beteiligt hätten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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