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Merz empfängt Lula in Hannover und hebt Bedeutung des Mercosur-Abkommens hervor

Wenn der Kanzler den brasilianischen Präsidenten in Hannover trifft, geht es um Handel, Schutz des Regenwalds und Trump. Ganz am Rande könnte es aber auch noch um etwas anderes gehen - um die Wurst.

19.04.2026, 18:35 Uhr

Deutschland und Brasilien wollen ihre strategische Zusammenarbeit bei zweitägigen Gesprächen in Hannover vertiefen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva zunächst vor dem Schloss Herrenhausen mit militärischen Ehren. Danach führten beide ein Gespräch unter vier Augen, bevor sie gemeinsam an der Eröffnung der Hannover Messe teilnahmen. Brasilien ist in diesem Jahr das Partnerland der weltweit größten Industriemesse.

Nach dem ersten Austausch mit Lula betonte Merz die große Bedeutung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten für die Beziehungen zu Lateinamerika. Die Vereinbarung tritt am 1. Mai in Kraft. Der Kanzler sagte, der Zeitpunkt für das Treffen sei mit Blick auf die Beziehungen zwischen Europa und Südamerika günstig, zugleich falle es aber in eine Phase großer Umbrüche und Herausforderungen.

Merz setzt auf ein Signal für den Industriestandort

Merz äußerte die Hoffnung, dass von der Hannover Messe ein Zeichen der Zuversicht für die deutsche Industrie ausgehen werde. Er verwies dabei auf bereits beschlossene sowie auf weitere geplante Reformen. Es sei schon einiges auf den Weg gebracht worden, zugleich sei klar, dass noch mehr geschehen müsse.

Für Montag ist ein gemeinsamer Rundgang von Lula und Merz über das Messegelände vorgesehen. Im Anschluss sollen im Schloss Herrenhausen die deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen stattfinden. Von brasilianischer Seite nehmen sieben Minister teil, aus Deutschland acht. Im Mittelpunkt steht der weitere Ausbau der Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen Handel, Rohstoffe, Verteidigung, Digitalisierung, Forschung und Klimaschutz.

Außenpolitik dürfte ebenfalls eine Rolle spielen

Neben wirtschaftlichen Fragen sollen auch internationale Themen besprochen werden. Dabei dürfte unter anderem das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Iran sowie gegenüber lateinamerikanischen Staaten wie Venezuela und Kuba zur Sprache kommen.

Vor seiner Reise nach Deutschland hatte Lula dem Spiegel gesagt: "Trump wurde nicht zum Kaiser der Welt gewählt." Er könne nicht fortlaufend anderen Ländern mit Krieg drohen. Hintergrund ist eine Äußerung Trumps wenige Tage zuvor, wonach man "vielleicht in Kuba vorbeischauen" werde, sobald der Konflikt mit dem Iran beendet sei, den er gemeinsam mit Israel begonnen habe.

Lula wirbt für stärkere Vereinte Nationen

Lula will der Machtpolitik Trumps eine Reform der Vereinten Nationen entgegensetzen. Wie Deutschland strebt auch Brasilien einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an. Bisher sind allerdings alle Anläufe gescheitert, das Gremium umzubauen. Der Sicherheitsrat hat derzeit fünf ständige Mitglieder mit Vetorecht: die USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich.

Vor seinem Aufenthalt in Hannover hatte Lula Spanien besucht. Dort warnte er mit deutlichen Worten vor Gefahren für die Demokratie. Diese müsse gestärkt und Rückschritte müssten verhindert werden. Sonst könne, so Lula, erneut ein "Hitler" auftauchen.

Brasilien präsentiert sich auf der Hannover Messe als Industriestandort

Auf der Hannover Messe will Brasilien sich nach Angaben des Leiters der Abteilung für Handels- und Investitionsförderung im brasilianischen Außenministerium, Carlos Henrique Moscardo, als "nachhaltige, innovative und wettbewerbsfähige Industriemacht" vorstellen.

Auch Klima- und Umweltschutz dürften bei den Beratungen im Schloss Herrenhausen eine wichtige Rolle spielen. Deutschland hatte bei der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém im vergangenen November für einen neuen Regenwaldfonds innerhalb von zehn Jahren eine Milliarde Euro zugesagt.

Lula äußert besonderen Wunsch für den Besuch

In Brasilien blieb Merz‘ Teilnahme an der Konferenz in Belém allerdings auch aus einem anderen Grund in Erinnerung. Nach seiner Rückkehr hatte er sich über die arme Amazonas-Stadt in einer Weise geäußert, die in Brasilien vielfach als abwertend empfunden wurde. Er hatte gesagt, die deutsche Delegation sei froh gewesen, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt zu sein. Lula kritisierte ihn dafür zunächst, versöhnte sich später beim G20-Gipfel in Johannesburg jedoch wieder mit dem Kanzler.

Für seinen Hannover-Besuch äußerte Lula nun einen eher persönlichen Wunsch. Dem Spiegel sagte er, dass er in Deutschland gerne Wurst an einem Straßenimbiss esse. Schon bei einem früheren Besuch im Büro von Angela Merkel habe er eine Wurst an einem Stand gekauft. Wenn er im Ausland sei, probiere er gern lokale Speisen.

Am Sonntagabend stand zunächst jedoch kein Imbissbesuch auf dem Programm, sondern ein Abendessen mit Wirtschaftsvertretern im Schloss Herrenhausen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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