Lufthansa-Reisende können zunächst auf etwas Entspannung hoffen: Nach den Arbeitsniederlegungen des fliegenden Personals in der gesamten Woche plant die Pilotenvereinigung Cockpit kurzfristig keine weiteren Streiks. Das geht aus einem internen Schreiben hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Zunächst sollen Vorstand und Tarifkommission die Lage neu bewerten. Für Montag sind außerdem erste Gespräche mit dem Konzern über eine mögliche Schlichtung vorgesehen. Ein früherer Versuch war gescheitert, weil sich beide Seiten nicht auf gemeinsame Verhandlungsthemen verständigen konnten. Noch am Freitag mussten erneut hunderte Flüge gestrichen werden.
Gemeinsam mit der Kabinengewerkschaft Ufo hatten die Piloten in dieser Woche den Betrieb bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Cityline an insgesamt fünf Tagen weitgehend lahmgelegt. Auch Eurowings war an zwei Tagen von Streiks betroffen. Der Konzern reagierte am Donnerstag mit der sofortigen Einstellung des Flugbetriebs von Cityline. Als Begründung wurden neben dem Sparkurs auch die hohen Treibstoffkosten der überalterten Regionalflotte genannt.
Lufthansa peilt am Samstag wieder Regelbetrieb an
Am Freitag fielen allein am Flughafen Frankfurt nach Angaben von Fraport rund 650 der insgesamt 1337 geplanten Starts und Landungen aus. Die Zahlen umfassen zwar alle Airlines am Standort, der Großteil der Ausfälle geht jedoch auf den Lufthansa-Ausstand zurück.
Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin soll am Samstag wieder ein weitgehend normaler Flugbetrieb möglich sein. Ganz ausgeschlossen seien einzelne Ausfälle oder Verspätungen aber nicht. Wie sich das Fehlen der 27 Cityline-Flugzeuge konkret auf den Flugplan auswirkt, ließ das Unternehmen zunächst offen. Cityline hatte bislang vor allem Zubringerverbindungen zu den Drehkreuzen Frankfurt und München übernommen.
Kritik an der Konzernstrategie
Die Vereinigung Cockpit wirft dem Lufthansa-Management vor, den verschärften Sparkurs mit wenig überzeugenden Argumenten zu rechtfertigen. VC-Präsident Andreas Pinheiro erklärte, die angeführten geopolitischen Gründe seien aus Sicht der Gewerkschaft nicht schlüssig, da kein Wettbewerber derzeit in vergleichbarem Umfang Kapazitäten aus dem Markt nehme. Das Management nehme offenbar erhebliche betriebliche und wirtschaftliche Schäden in Kauf, um seine tarifpolitischen Ziele durchzusetzen.
In den laufenden Tarifkonflikten geht es bei den Piloten von Lufthansa und Lufthansa Cargo vor allem um höhere Arbeitgeberbeiträge zur betrieblichen Altersversorgung. Bei Cityline stehen dagegen vor allem höhere Gehälter im Mittelpunkt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion