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Angeklagte legen im Verfahren um gewaltigen Kokainfund Geständnisse ab

Versteckt in Brückendämpfern, entdeckt in einer abgelegenen Halle: Ermittler finden in Unterfranken eine große Menge an Kokain. Vor Gericht kommt ein Trio - die Hintermänner sind weiter frei.

20.04.2026, 14:32 Uhr

Neun Monate nach der Entdeckung einer außergewöhnlich großen Kokainlieferung in Unterfranken haben drei mutmaßliche Drogenkuriere vor dem Landgericht Würzburg die gegen sie erhobenen Vorwürfe eingeräumt. Die Jugendkammer hatte zuvor für den Fall umfassender und glaubhafter Geständnisse einen möglichen Strafrahmen für die Angeklagten im Alter von 20, 26 und 49 Jahren genannt. Nach Überzeugung der Ermittler sollen die Männer gemeinsam mit bislang nicht identifizierten Komplizen daran beteiligt gewesen sein, rund 1,4 Tonnen Kokain nach Deutschland zu bringen. Allein in Abtswind in Unterfranken waren im vergangenen Sommer 300 Kilogramm der Droge sichergestellt worden – mit einem geschätzten Straßenwert von etwa 15 Millionen Euro.

Der 49-jährige Schweizer muss nach Auffassung des Gerichts mit einer Freiheitsstrafe zwischen neuneinhalb und elf Jahren rechnen. Für den 26 Jahre alten Franzosen sieht die Kammer einen Strafrahmen von sechseinhalb bis acht Jahren vor. Dem 20-jährigen Mitangeklagten, ebenfalls Franzose und bereits vor Prozessbeginn teilweise geständig, droht eine Jugendstrafe von vier bis sechs Jahren.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln vor. Für das Verfahren sind bislang drei Verhandlungstage vorgesehen.

Unbekannte Hinterleute im Fokus

Nach bisherigen Erkenntnissen sollen weitere, bislang nicht bekannte Mitglieder der Gruppierung in Mexiko jeweils 100 bis 300 Kilogramm hochreines Kokain in Hohlräume von stählernen Brückendämpfern versteckt haben. Die Bauteile sollten anschließend an eine Tarnfirma in Europa geliefert werden. Den Ermittlern zufolge wurden dafür in Deutschland mehrere Lagerhallen angemietet, darunter auch eine Halle in Abtswind im Landkreis Kitzingen.

Dort sollen die Brückendämpfer geöffnet und die darin verborgenen Drogen herausgeholt worden sein. Die Anklage geht davon aus, dass auf diesem Weg insgesamt 1,4 Tonnen Kokain nach Deutschland gelangten.

Bauer alarmierte die Polizei

Ausgelöst wurden die Ermittlungen im vergangenen Juli durch einen Landwirt. Er verständigte die Polizei, nachdem er an einer abgelegenen Halle nahe der Autobahn 3 im Landkreis Kitzingen mehrere verdächtige, teils maskierte Personen beobachtet hatte. Als diese ihn bemerkten, fuhren sie davon. Vor Ort trafen die Beamten dennoch noch zwei Männer in beziehungsweise vor der angemieteten Halle an. Außerdem fanden sie vier Fahrzeuge, überwiegend mit französischen Kennzeichen, sowie mehrere Paletten mit auffällig geformten Metallbehältern. Bei einem davon war bereits sichtbar, dass er ein Pulver enthielt.

Zunächst gingen die Einsatzkräfte davon aus, möglicherweise auf Geldautomatensprenger gestoßen zu sein. Dieser Verdacht bestätigte sich jedoch nicht. Stattdessen reagierte ein Drogenspürhund: In einem Teil der insgesamt 20 Behälter fanden die Beamten 200 Kilogramm Kokain. Der 49-Jährige und der 26-Jährige wurden daraufhin festgenommen.

Nur wenige Minuten später nahm die Polizei an der nahe gelegenen Anschlussstelle Wiesentheid auch den 20-jährigen Angeklagten fest. Im weiteren Verlauf wurde zusätzlich weiteres Kokain entdeckt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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