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Weniger registrierte Delikte, aber mehr gewaltauffällige Kinder

Das Cannabis-Gesetz, Grenzkontrollen und ein Fall aus Berlin beeinflussen die Kriminalstatistik. Der Anstieg der Gewaltkriminalität ist vorerst gebremst. Sorgen bereitet die Zahl straffälliger Kinder.

20.04.2026, 14:37 Uhr

Die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2025 weist in Deutschland insgesamt weniger Straftaten aus. Zugleich bleibt vor allem die Entwicklung bei tatverdächtigen Kindern im Bereich der Gewaltkriminalität ein Grund zur Sorge.

Die Polizei registrierte bundesweit rund 212.300 Gewaltdelikte. Das waren 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt wurden etwa 5,5 Millionen Straftaten bekannt, was einem Rückgang von 5,6 Prozent entspricht. Rechnet man Verstöße gegen das Aufenthalts- und Ausländerrecht heraus, beträgt das Minus 4,4 Prozent.

Ein Teil dieses Rückgangs hängt mit der Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 zusammen. Zudem sank die Zahl der Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsrecht um mehr als 28 Prozent. Als Gründe gelten unter anderem verstärkte Grenzkontrollen, weniger unerlaubte Einreisen und veränderte Fluchtbewegungen, etwa durch den politischen Wandel in Syrien.

Zentrale Zahlen aus der Statistik

  • Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag bei 35,5 Prozent und blieb damit nahezu auf Vorjahresniveau. Ausländerrechtliche Delikte wurden dabei nicht einbezogen.
  • Zunahmen verzeichnete die Polizei unter anderem bei Leistungsbetrug (+11,5 Prozent), bei Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen (+6,5 Prozent) sowie bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und besonders schweren sexuellen Übergriffen (+8,5 Prozent).
  • Rückgänge gab es bei Raub und räuberischer Erpressung (-7,1 Prozent) sowie besonders deutlich bei Rauschgiftdelikten (-27,7 Prozent).
  • Die Zahl der wegen Gewaltkriminalität auffälligen Kinder stieg auf etwa 14.200 Tatverdächtige. Das entspricht einem Plus von 3,3 Prozent. Der Anstieg fiel jedoch geringer aus als 2024, als noch ein Zuwachs von 11,3 Prozent registriert worden war.

Sondereffekte verzerren einzelne Entwicklungen

Das Bundeskriminalamt weist darauf hin, dass einige Veränderungen nur eingeschränkt vergleichbar sind. So bewege sich der Anstieg bei Tötungsdelikten im Rahmen üblicher Schwankungen. Hinzu kommt ein besonderer Fall aus Berlin: 79 Mordfälle in der Statistik stehen im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen einen früheren Palliativmediziner, der schwer kranke Menschen getötet haben soll.

Bei Sexualdelikten geht das BKA davon aus, dass mehr Taten angezeigt werden als früher. In ungefähr drei Vierteln dieser Fälle kannten sich Opfer und Tatverdächtige bereits.

Neue Erfassung von Messerangriffen

Im vergangenen Jahr wurde bei rund 29.200 Straftaten ein Messer eingesetzt. Das sind 0,8 Prozent mehr als im Jahr davor. Als Messerangriff gelten in der Statistik Taten, bei denen mit einem Messer direkt gegen eine Person vorgegangen oder ein solcher Angriff angedroht wird.

Warum nimmt Gewalt unter Kindern zu?

Zur Erklärung verweist das BKA auf Studien, die von einer starken psychischen Belastung durch Zukunftsängste in mehreren Krisenlagen ausgehen. Noch nicht ausreichend erforscht sei ein möglicher Zusammenhang zwischen bestimmten Social-Media-Angeboten und der Wahrscheinlichkeit strafbaren Verhaltens bei Kindern und Jugendlichen.

Auffällig ist, dass bei den allgemeinen Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße zuletzt Jungen im Alter von 8 bis 13 Jahren die einzige Gruppe waren, bei der die sogenannte Tatverdächtigenbelastungszahl gestiegen ist. Dieser Wert zeigt, wie viele Tatverdächtige auf 100.000 Einwohner einer Bevölkerungsgruppe kommen.

Debatte über Strafmündigkeit

In Deutschland beginnt die Strafmündigkeit mit 14 Jahren. Mehrere Politiker, vor allem aus der CDU, hatten sich zuletzt offen für eine Diskussion über eine Absenkung dieser Altersgrenze gezeigt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) lehnt das ab. Härtere Strafen allein würden mögliche Täter nicht automatisch abschrecken, sagte sie.

Innenpolitische Debatte über Migration

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Straftaten und der geringeren irregulären Migration. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), verweist darauf, dass unter Geflüchteten junge Männer überdurchschnittlich vertreten seien – also eine Gruppe, die generell häufiger kriminalstatistisch auffalle.

Kritik an dieser Debatte kommt von Mehtap Caglar, der Bundesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Sie wirft Politik und Öffentlichkeit vor, die Polizeistatistik regelmäßig zu nutzen, um Stimmung gegen Menschen mit Einwanderungsgeschichte zu machen.

Dunkelfeldstudie: Cybercrime weit verbreitet

Zeitgleich zur PKS wurde eine große Dunkelfeldstudie veröffentlicht. Sie zeigt, dass viele Betroffene Straftaten erleben, die nicht immer zur Anzeige gebracht werden. Besonders häufig genannt wurden:

  • Cyberkriminalität: 18 Prozent
  • Diebstahl: 12,7 Prozent
  • Betrug: 12,6 Prozent

Die Untersuchung ist repräsentativ für die Wohnbevölkerung ab 16 Jahren und bezog sich auf Erfahrungen im Jahr 2023.

Besonders stark von Körperverletzung betroffen waren laut Studie 16- und 17-Jährige mit 8,5 Prozent. Mit zunehmendem Alter sinkt dieser Anteil kontinuierlich und liegt bei Menschen über 84 Jahren nur noch bei 0,2 Prozent.

Frauen deutlich häufiger von sexueller Belästigung betroffen

Deutliche Unterschiede zeigt die Studie auch zwischen den Geschlechtern. Innerhalb eines Jahres berichteten 11,2 Prozent der Frauen, Opfer sexueller Belästigung geworden zu sein. Bei den Männern waren es 2,9 Prozent. Männer wiederum waren häufiger von Körperverletzung betroffen (3,1 Prozent) als Frauen (2,0 Prozent).

Nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch ist immerhin das allgemeine Sicherheitsgefühl der Bevölkerung tagsüber inzwischen wieder sehr hoch. Auch nachts habe sich das Sicherheitsempfinden im Vergleich zu früheren Befragungen verbessert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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