Wenige Tage vor dem geplanten Ende der Waffenruhe hatte der Iran zunächst angekündigt, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Nur Stunden später wurde diese Zusage mit dem Hinweis auf die fortgesetzte US-Seeblockade wieder zurückgenommen. Daraus ergeben sich nun mehrere zentrale Fragen:
Wie wird Trump reagieren?
Teheran gibt Washington die Schuld an der abrupten Kursänderung und verweist darauf, dass die USA ihre Seeblockade nicht gelockert haben. Es liegt nahe, dass Donald Trump den Iran nun erneut scharf angreifen wird, wie schon mehrfach im Verlauf des Konflikts. Für heute um 15.00 Uhr MESZ hat Trump eine Pressekonferenz angekündigt. Zwar erklärte er am Freitag, dass es dabei eigentlich nicht um den Iran gehen solle. Zugleich sagte er aber auch, derzeit drehe sich praktisch „alles“ um den Iran. Deshalb ist gut möglich, dass er sich zur neuen Entwicklung äußert oder zumindest darauf angesprochen wird.
Findet die nächste Verhandlungsrunde noch statt?
Zuletzt warteten viele nur noch auf die Bekanntgabe eines neuen Gesprächstermins. Als möglicher Ort für die nächste Runde galt die pakistanische Hauptstadt Islamabad, wo bereits Vorbereitungen laufen. Medienregistrierungen haben begonnen, außerdem wurde die Sicherheitspräsenz in der Stadt verstärkt. Aus dem Weißen Haus hieß es zuletzt, eine weitere Gesprächsrunde werde weiterhin vorbereitet. Die iranische Staatsagentur Tasnim meldete jedoch, Teheran habe seine Teilnahme an einem zweiten Treffen bislang nicht bestätigt.
Hält die Waffenruhe bis Mittwoch?
Die derzeitige Waffenruhe soll nach Plan am Mittwoch enden. Schon vorher galt sie als fragil, weil sich beide Seiten wiederholt Verstöße vorgeworfen haben. Trump kritisierte den Iran dafür, dass die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus nicht umgehend wiederhergestellt worden sei. Teheran machte seinerseits eine Feuerpause im Libanon zur Voraussetzung — diese ist inzwischen in Kraft. Dennoch blieb es bislang bei der Einstellung der Kampfhandlungen.
Gibt es Machtkämpfe zwischen Regierung und Militär im Iran?
Diese Frage gewinnt an Gewicht, weil Außenminister Abbas Araghtschi zunächst eine Öffnung der Meerenge unter bestimmten Bedingungen angekündigt hatte, das Militär diese Linie jedoch schon einen Tag später wieder kassierte. Viele Beobachter sehen die Revolutionsgarden als eigentlichen Machtkern des Landes. Dafür spricht auch, dass die ihnen nahestehende Nachrichtenagentur Fars demonstrativ auf Distanz zum Außenminister ging. Auf X war von Verwirrung in der iranischen Gesellschaft die Rede, ausgelöst durch den überraschenden Vorstoß Araghtschis zur Öffnung der Straße von Hormus und die darauf folgende aggressive Reaktion Trumps.
Normalerweise liegt die letzte Entscheidung in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik beim Revolutionsführer. Von Modschtaba Chamenei gibt es jedoch seit seiner Ernennung am 8. März weder Audio- noch Videoaufnahmen. Unklar ist daher, wie es um seinen Gesundheitszustand steht und welchen tatsächlichen Einfluss er derzeit auf das politische System ausübt.
Warum ist die Straße von Hormus für den Iran so wichtig?
Unter normalen Bedingungen läuft rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels durch diese Meerenge. Seit Beginn der Blockade zu Kriegsbeginn am 28. Februar sind die Ölpreise deutlich gestiegen. Damit bleibt die Straße von Hormus ein bedeutendes Druckmittel für den Iran. Sowohl die politische Führung als auch das Militär verlangen Gegenleistungen für eine Öffnung und machen damit deutlich, dass sie sich die Bedingungen dafür nicht von außen vorgeben lassen wollen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion