Der für den 19. Juni im schlesischen Chorzów vorgesehene Auftritt des US-Rappers Kanye West ist abgesagt worden. Nach Angaben des Stadiondirektors kann das Konzert aus formal-rechtlichen Gründen nicht stattfinden.
Damit erlebt der Musiker in Europa einen weiteren Rückschlag. Bereits zuvor hatte ihm Großbritannien die Einreise verweigert. In Frankreich sagte West einen geplanten Auftritt in Marseille selbst ab, nachdem ein behördliches Verbot im Raum stand.
Scharfe Kritik aus der polnischen Politik
Polens Kulturministerin Marta Cienkowska hatte das Konzert in Chorzów schon vor der Absage als nicht hinnehmbar bezeichnet. Auf der Plattform X schrieb sie, es gehe um einen Künstler, der sich wiederholt antisemitisch geäußert habe und mit dem Verkauf von T-Shirts mit Hakenkreuz-Motiven Geld verdiene.
Sie betonte, gerade in einem Land, dessen Geschichte eng mit dem Holocaust verbunden sei, dürfe man ein solches Ereignis nicht als bloße Unterhaltung behandeln. Künstlerische Freiheit bedeute nicht, dass alles akzeptiert werden müsse. Kultur dürfe kein Ort für Menschen sein, die sie zur Verbreitung von Verachtung nutzten.
Kontroversen um West in mehreren Ländern
Kanye Omari West gilt als einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten Künstler der internationalen Musikbranche. Der 48-Jährige war in den vergangenen Jahren mehrfach durch rassistische und antisemitische Aussagen aufgefallen. Im Jahr 2025 veröffentlichte er zudem ein Lied mit dem Titel „Heil Hitler“.
Zu Jahresbeginn entschuldigte sich West in einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal. Darin schrieb er, er sei weder Nazi noch Antisemit, und führte frühere Äußerungen auf seine bipolare Störung zurück. West war früher mit Kim Kardashian verheiratet.
Die britische Regierung hatte ihm Anfang April die Einreise ins Vereinigte Königreich verweigert. Hintergrund war die Diskussion um mögliche Auftritte bei einem Festival in London. Premierminister Keir Starmer bezeichnete diese Pläne als zutiefst besorgniserregend.
Wenig später zog West auch in Frankreich die Reißleine und verschob sein Konzert in Marseille. Zuvor war bekannt geworden, dass Innenminister Laurent Nuñez entschlossen sei, die Veranstaltung untersagen zu lassen.
Holocaust-Überlebende fordern konsequentes Vorgehen
Überlebende von Auschwitz begrüßten das britische Einreiseverbot und riefen andere europäische Staaten zu ähnlichen Schritten auf. Christian Heuber vom Internationalen Auschwitz-Komitee erklärte, die Äußerungen des Rappers hätten nicht nur Überlebende und deren Familien verletzt, sondern könnten auch antisemitische Haltungen verstärken.
Ein Konzert in Polen wäre deshalb besonders sensibel gewesen. Während des Zweiten Weltkriegs errichtete das nationalsozialistische Deutschland im besetzten Polen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Der Ort steht wie kaum ein anderer für den Holocaust und die Verbrechen des NS-Regimes.
Zwischen 1940 und 1945 wurden dort rund 1,1 Millionen Menschen ermordet oder kamen durch Hunger, Krankheiten und Misshandlungen ums Leben. Die meisten Opfer waren Jüdinnen und Juden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion