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Zeugen im Münchner Anschlagsprozess schildern Angeklagten als besonnen und freundlich

Ein Mann rast mit dem Auto in eine Demonstration in München. Zwei Menschen sterben, viele werden verletzt. Vor Gericht sprechen Bekannte des Angeklagten - bei einer Aussage beginnt dieser zu weinen.

17.04.2026, 16:04 Uhr

Im Prozess um den tödlichen Anschlag mit einem Auto auf eine Verdi-Demonstration in München im Februar 2025 hat der Bruder des Angeklagten diesen vor Gericht als ruhigen, höflichen und guten Menschen beschrieben. Auch weitere Zeugen aus seinem Umfeld zeichneten das Bild eines freundlichen und engagierten Mannes.

Einer der Zeugen sagte, der Angeklagte habe sich dafür geschämt, wenn er von Straftaten anderer Afghanen gehört habe. Zudem habe er Freunde dazu ermuntert, Sport zu treiben, gesund zu leben und zuletzt auch häufiger zu beten. Aggressives Verhalten habe niemand an ihm bemerkt. Umso größer sei der Schock gewesen, als die Nachricht von der Tat bekannt wurde, berichteten zwei weitere Zeugen.

Mutter und Tochter bei Demonstration tödlich verletzt

Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft steckt ein islamistisches Motiv hinter der Tat. Dem Angeklagten werden unter anderem zweifacher Mord sowie 44-facher versuchter Mord vorgeworfen. Am 13. Februar des vergangenen Jahres soll er mit einem Kleinwagen in eine friedliche Kundgebung der Gewerkschaft Verdi gefahren sein.

Dabei wurden ein zweijähriges Mädchen in einem Kinderwagen und seine Mutter erfasst. Beide wurden durch die Wucht des Aufpralls weggeschleudert und so schwer verletzt, dass sie einige Tage später starben. Mehr als 40 weitere Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen schwebten zeitweise in Lebensgefahr.

Viele Betroffene leiden bis heute unter den körperlichen und psychischen Folgen des Geschehens. Einige konnten ihre Arbeit seither nicht wieder aufnehmen.

Bruder zeigt sich fassungslos

Bekannte des Angeklagten sagten aus, dass religiöse Themen kurz vor der Tat offenbar eine größere Rolle in dessen Leben gespielt hätten. Eine radikale Haltung wollten sie jedoch nicht erkennen. Einer der Zeugen bezeichnete ihn eher als naiv.

Der Angeklagte verfolgte die Aussage seines Bruders sichtbar bewegt. Als dieser über die Ängste sprach, die sein Bruder während der Flucht gehabt habe, kamen dem Angeklagten die Tränen. Auf die Frage des Richters, wie er heute zu seinem Bruder stehe, antwortete der Zeuge: „Ich bin sehr, sehr traurig. Ich verstehe nicht, warum er so etwas getan hat.“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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