Der Iran hat seine erst kurz zuvor verkündete Öffnung der Straße von Hormus wieder aufgehoben und setzt dort erneut auf militärische Kontrolle. Nach Angaben eines Sprechers des Generalstabs, über die die Agentur Fars berichtete, reagiert Teheran damit auf die fortgesetzte US-Blockade iranischer Häfen. Weniger als einen Tag nach der überraschenden Freigabe erklärte das Militär nun, die strategisch bedeutende Meerenge werde wieder strikt von den Streitkräften überwacht. Die USA kündigten ihrerseits an, weiterhin gegen Schiffe vorzugehen, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen.
Schüsse auf einen Tanker
Unmittelbar nach der Rücknahme der Öffnung stoppten die iranischen Revolutionsgarden laut einem Online-Dienst zur Schiffsverfolgung gewaltsam zwei Schiffe. Darunter befand sich demnach auch ein Supertanker, der zwei Millionen Barrel irakisches Rohöl geladen hatte. Die britische Behörde UKMTO erklärte auf X unter Berufung auf den Kapitän eines Schiffes, zwei Schnellboote der Revolutionsgarden hätten sich dem Tanker genähert und Schüsse abgegeben.
Folgen für neue Gespräche unklar
Welche Auswirkungen die neue Eskalation auf mögliche weitere Verhandlungen zwischen Washington und Teheran haben wird, ist offen. US-Präsident Donald Trump zeigte sich zunächst gelassen. Der Iran handle seit Jahren nach diesem Muster, sagte er im Weißen Haus, davon lasse man sich nicht unter Druck setzen.
Zugleich betonte Trump, die Kontakte liefen weiter. Die Gespräche seien aus seiner Sicht positiv, und noch im Laufe des Tages könne es neue Entwicklungen geben. Allerdings hatte Trump schon mehrfach baldige Durchbrüche angekündigt, ohne dass diese eintraten. Zuletzt waren Verhandlungen in Islamabad am vergangenen Sonntag ergebnislos beendet worden. Ein neuer Termin wurde bisher nicht offiziell bestätigt. Am kommenden Mittwoch läuft zudem die Feuerpause zwischen den USA und Israel auf der einen sowie dem Iran auf der anderen Seite aus.
Teheran fordert freie Fahrt für eigene Schiffe
Dass die Entscheidung zur Öffnung nicht von Dauer sein würde, kam nicht völlig überraschend. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf hatte bereits gewarnt, die Meerenge werde nicht offen bleiben, solange die USA iranische Häfen blockierten. Er reagierte damit auf Trumps Ankündigung auf Truth Social, wonach die Blockade bis zum vollständigen Abschluss der Vereinbarungen mit dem Iran fortgesetzt werde.
In der neuen Erklärung aus Teheran heißt es, wegen der US-Maßnahmen gelte für die Straße von Hormus wieder der frühere Kontrollstatus. Daran werde sich nichts ändern, solange Washington nicht die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit iranischer Schiffe zu ihren Zielorten und zurück gewährleiste.
Kaum Aussicht auf schnelle Entspannung im Schiffsverkehr
Die zwischenzeitliche Hoffnung auf eine Normalisierung der wichtigen Handelsroute hatte die Börsen gestützt und die Ölpreise sinken lassen. In der Praxis blieb die Wirkung der iranischen Ankündigung jedoch gering. CNN berichtete unter Berufung auf Verkehrsdaten, dass lediglich fünf Frachtschiffe und ein leeres Kreuzfahrtschiff die Meerenge passierten – aber keine Öltanker.
Der Schifffahrtsexperte John-Paul Rodriguez von der Texas A&M University sagte Al Jazeera, seit der Ankündigung hätten zwar Schiffe versucht, die Passage zu nutzen. Viele von ihnen würden jedoch offenbar wieder umkehren, weil die Lage zu unsicher sei.
Deutsche Reeder verlangen klare Sicherheitszusagen
Der Verband Deutscher Reeder wertet die erneute Schließung als Zeichen dafür, wie instabil und schwer durchschaubar die Situation weiterhin ist. Eine verlässliche und sichere Passage durch die Straße von Hormus sei unter den aktuellen Umständen nicht gewährleistet, erklärte der Verband in Hamburg. Ohne belastbare Sicherheitsgarantien könne es in dieser für den Welthandel zentralen Region keine dauerhafte Rückkehr zum normalen Schiffsverkehr geben.
Vermittlungsbemühungen vor Ende der Waffenruhe
Am 28. Februar hatten die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begonnen. Teheran reagierte mit Raketenangriffen und attackierte Ziele in Israel sowie in der Golfregion. Anfang April vereinbarten die USA und der Iran schließlich eine zweiwöchige Feuerpause.
Derzeit laufen unter Vermittlung Pakistans Bemühungen, diese Waffenruhe zu verlängern und zugleich den Konflikt um das iranische Atomprogramm in Richtung einer umfassenderen Einigung zu bewegen. Nach unbestätigten Berichten aus US-Medien könnten sich Unterhändler bereits am Montag erneut in Islamabad treffen. Die Vorbereitungen dafür scheinen zu laufen: Medienregistrierungen haben begonnen, zusätzliches Sicherheitspersonal wurde in die Hauptstadt verlegt.
Streit über Uran bleibt zentraler Punkt
Auf Hinweise, dass der Iran nach wie vor große Differenzen in den Verhandlungen sieht, sagte Trump, das sei möglich, man müsse abwarten. Er glaube jedoch nicht, dass es sehr viele grundlegende Meinungsverschiedenheiten gebe. Einer der wichtigsten Streitpunkte bleibt der Umgang mit dem hoch angereicherten Uran des Iran.
CBS News zitierte Trump aus einem Telefoninterview mit der Aussage, die USA wollten gemeinsam mit dem Iran an der Bergung der Uranbestände arbeiten und diese anschließend in die Vereinigten Staaten bringen. Der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai wies das umgehend zurück. Laut der Agentur Tasnim erklärte er, ein Transfer von Uran in die USA sei nie eine Option gewesen und habe auch nie zur Debatte gestanden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion