Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Henning Höne zieht mit Rückenwind aus dem größten Landesverband seiner Partei in den Wettbewerb um den Bundesvorsitz. Auf dem Landesparteitag in Duisburg wurde der 39-Jährige mit knapp 84,5 Prozent erneut zum Landeschef gewählt – zum dritten Mal und mit seinem bislang besten Ergebnis.
Ende Mai will Höne beim Bundesparteitag an die Spitze der Bundes-FDP rücken. Dort trifft er auf den deutlich bekannteren Wolfgang Kubicki.
Wichtiges Signal vor schwierigem Wahljahr
Mit dem Votum gaben die rund 400 Delegierten Höne zugleich Rückendeckung für den bevorstehenden Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen. Ein Jahr vor der Wahl steht die FDP dort unter erheblichem Druck, denn auch im größten Bundesland ist ihr der Wiedereinzug in den Landtag keineswegs sicher.
Höne machte deutlich, wie wichtig Nordrhein-Westfalen für die Zukunft der Liberalen auf Bundesebene ist. Die NRW-FDP gilt mit rund 16.500 Mitgliedern als stärkster Landesverband und stellt beim Bundesparteitag fast ein Viertel der Delegierten – ein erheblicher Machtfaktor.
Kubicki bleibt ein ernstzunehmender Rivale
Trotz der klaren Wiederwahl ist Höne auch im eigenen Landesverband nicht unumstritten. Aus Delegiertenkreisen war zu hören, dass manche in der aktuellen außerparlamentarischen Lage lieber ein bundesweit bekanntes Gesicht wie Kubicki an der Parteispitze sähen, um der FDP wieder mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Bei der Abstimmung erhielt Höne 326 Ja-Stimmen, dazu kamen 50 Nein-Stimmen und 10 Enthaltungen. Da Enthaltungen in der FDP in das Prozentergebnis einfließen, fiel das Resultat etwas niedriger aus. Höne bewertete es dennoch als klares positives Signal: Der Landesverband wolle kämpfen – und genau das werde man tun.
Appell an den Zusammenhalt der Partei
In seiner Rede warnte Höne davor, den Wettbewerb um den Vorsitz zu einem innerparteilichen Machtkampf eskalieren zu lassen. Sowohl er als auch Kubicki stünden nach seinen Worten für das Ziel, die FDP zurück auf die politische Bühne zu führen.
"Wolfgang kandidiert nicht gegen mich, und ich kandidiere nicht gegen Wolfgang."
Zwischen beiden gebe es Unterschiede in Stil, Auftreten und einzelnen Sachfragen, sagte Höne. Dennoch sei das Verbindende größer als das Trennende. Beide gehören derzeit dem Bundesvorstand bereits als stellvertretende Vorsitzende an.
Höne betonte, die FDP könne nur erfolgreich sein, wenn sie als Team auftrete. Ständiger Konkurrenzkampf innerhalb der Partei schade eher, als dass er nutze. Zugleich erklärte er, dass unabhängig vom Ausgang der Wahl sowohl er als auch Kubicki weiter Verantwortung in der Partei tragen könnten. Der Wettbewerb mache die FDP aus seiner Sicht sogar wieder interessanter.
FDP ringt mit einer schweren Krise
Die Liberalen stecken seit geraumer Zeit in einer existenziellen Krise. Nach dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2025 verpasste die Partei zuletzt auch bei Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz den Wiedereinzug. In der Folge entbrannte eine Debatte über die künftige Führung.
Der bisherige Parteichef Christian Dürr kündigte an, nicht erneut für den Vorsitz anzutreten, nachdem Kubicki seine Bewerbung öffentlich gemacht hatte.
Kubicki formulierte für den Fall seiner Wahl ambitionierte Ziele: Zunächst müsse die FDP nach einer Phase der politischen Bedeutungslosigkeit wieder in die Nähe von fünf Prozent kommen – danach solle es weiter nach oben gehen. In einem Interview sagte er, der "Kubicki-Effekt" beginne bei sechs Prozent.
Auch Höne traut der FDP grundsätzlich wieder zweistellige Wahlergebnisse zu. Kurzfristig gehe es jedoch zunächst darum, die Partei überhaupt wieder zu stabilisieren. Ohne ehrgeizige Ziele anzutreten, sei aus seiner Sicht keine erfolgreiche Erneuerung möglich.
Distanz zu Lindners Kurs
Kubicki verwies erneut darauf, dass ihn der frühere FDP-Chef Christian Lindner zu einer Kandidatur ermutigt habe. Lindner hatte die Partei in den 2010er Jahren aus Nordrhein-Westfalen heraus konsolidiert und später zurück in politische Erfolge geführt.
Höne setzt dagegen bewusst auf Abgrenzung. Er wirbt für einen grundlegenden Neustart und für einen klaren Bruch mit der Zeit der Ampel-Koalition. Nach seiner Auffassung kann dieser Neuanfang nur mit neuen Gesichtern gelingen. Immer wieder erinnert er daran, dass die FDP unter Lindners Führung nach dem Scheitern der Ampel 2025 aus dem Bundestag ausschied.
Scharfe Angriffe auf die CDU
Obwohl Höne nicht als Lautsprecher gilt, formulierte er auf dem Parteitag deutliche Kritik an der Union. Bundeskanzler Friedrich Merz warf er vor, die FDP vorschnell abgeschrieben zu haben, nachdem diese in Baden-Württemberg schlecht abgeschnitten hatte.
Höne stellte der CDU ein vernichtendes Zeugnis aus: Nicht wirtschaftliche Vernunft, sondern allein der Machterhalt stehe im Vordergrund. Wörtlich bezeichnete er die CDU als "schwarzen Block des Machterhalts". Merz, so Höne, gefährde mit einer historisch hohen Schuldenaufnahme die Zukunft des Landes und zahle dafür einen hohen politischen Preis.
Auch die steigenden Spritpreise griff er auf und warf dem Staat vor, an der Krise kräftig mitzuverdienen. Nebenbei teilte er gegen CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann aus. Dessen oft verwendetes Motto "Einfach mal machen" konterte Höne mit den Worten: "Einfach mal lassen."
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion