Fans der deutschen Nationalmannschaft müssen bei der WM in den USA mit deutlich höheren Reisekosten rechnen. Für die Zugverbindung von New York zum Stadion in New Jersey, wo das DFB-Team sein drittes Gruppenspiel austrägt, steigt der Preis während des Turniers massiv an. Statt der üblichen 12,90 US-Dollar für Hin- und Rückfahrt sollen Reisende 150 Dollar zahlen – umgerechnet etwa 127 Euro.
NJ-Transit-Chef Kris Kolluri weist den Vorwurf der Abzocke zurück. Man versuche lediglich, die entstehenden Kosten zu decken, sagte er. Der Transport der Fans verursache rund 62 Millionen Dollar. Davon seien bislang nur 14 Millionen durch Zuschüsse abgesichert. Den verbleibenden Betrag wolle das Verkehrsunternehmen über die geschätzt 40.000 Zuschauer refinanzieren, die bei jedem Spiel mit dem Zug zum Stadion fahren dürften.
Eine Anreise mit dem Auto ist für viele wohl kaum praktikabel. Rund um das Stadion stehen während der WM nur sehr wenige öffentliche Parkplätze zur Verfügung. Auch Shuttlebusse gelten als kostspielig. In der Arena in East Rutherford sind insgesamt acht WM-Spiele geplant, darunter auch das Endspiel am 19. Juli.
FIFA kritisiert die Preisgestaltung
New Jerseys Gouverneurin Mikie Sherrill fordert die FIFA auf, die Kosten für den Fantransport zu übernehmen. Andernfalls werde man Ticketinhaber nicht auf Kosten der Bevölkerung von New Jersey unterstützen, die im Alltag auf NJ Transit angewiesen sei, erklärte die demokratische Politikerin.
Die FIFA wies diese Forderung zunächst zurück. In einer Stellungnahme hieß es, bei keiner anderen internationalen Großveranstaltung müssten für "willkürlich festgelegte" Fahrpreise die Kosten übernommen werden. Zudem könnten die hohen Ticketpreise Fans dazu bewegen, nach anderen Wegen zum Stadion zu suchen – mit der Folge von mehr Verkehr und einem höheren Risiko verspäteter Ankünfte.
Fans fühlen sich abgeschreckt
Nach Angaben der FIFA verzichten die meisten anderen WM-Spielorte in den USA auf Preiserhöhungen im Nahverkehr. Eine Ausnahme ist Boston, wo sich die Kosten für die Fahrt zum Stadion vervierfacht haben.
Thomas Concannon von der englischen Fanvereinigung FSA kritisierte die Situation deutlich. Eigentlich sollten Anhänger aus aller Welt willkommen geheißen werden, sagte er. Derzeit entstehe jedoch eher der Eindruck, dass Fans unerwünscht seien. England trifft am 27. Juni in New Jersey auf Panama, die deutsche Mannschaft spielt dort bereits zwei Tage zuvor gegen Ecuador.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion