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Vergiftete Hipp-Babynahrung: Ermittler suchen international nach mutmaßlichem Erpresser

In Österreich, Tschechien und der Slowakei ist der Babykosthersteller Hipp möglicherweise Opfer eines Erpressers. Deutschland ist derzeit nicht betroffen, doch auch hierzulande wird ermittelt.

19.04.2026, 12:50 Uhr

Die Behörden in Österreich, Tschechien und der Slowakei fahnden nach einer Person, die offenbar manipulierte Hipp-Babynahrung in Umlauf gebracht hat. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord gibt es keine Hinweise auf betroffene Produkte in Deutschland. Dennoch ermittelt auch die Kriminalpolizei in Ingolstadt.

Suche nach weiterem belasteten Glas

Im Mittelpunkt steht vor allem ein mögliches zweites mit Rattengift versetztes Glas der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ (190 Gramm). Ein erstes verdächtiges Glas war bereits am Samstag im österreichischen Burgenland entdeckt worden. Nach Informationen aus Österreich soll das Familienunternehmen Hipp erpresst werden. Eine ausdrückliche Bestätigung dafür gab es von deutscher Polizeiseite zunächst nicht.

Warnung an Eltern in Österreich

Die österreichische Polizei fordert Eltern von Kleinkindern auf, ihre Vorräte zu kontrollieren. Hinweise auf eine Manipulation seien:

  • ein beschädigter Deckel,
  • das fehlende typische Plopp-Geräusch beim Öffnen,
  • ein weißer Aufkleber mit rotem Ring auf dem Glasboden.

Hipp spricht von krimineller Manipulation

Hipp erklärte, dass nur jene Produkte betroffen seien, die Teil der laufenden Ermittlungen sind. Waren in Deutschland oder in anderen nicht betroffenen europäischen Märkten gelten demnach als unauffällig.

Unternehmenssprecher Clemens Preysing bestätigte zudem, dass manipulierte Gläschen nicht nur in Österreich, sondern auch in Tschechien und der Slowakei festgestellt worden seien. Dort hätten Handelspartner vorsorglich sämtliche Hipp-Gläser aus dem Verkauf genommen. Das Unternehmen betonte, es handle sich um einen äußeren kriminellen Eingriff und nicht um ein Problem bei Herstellung oder Produktqualität.

Ermittlungen laufen grenzüberschreitend

Nach Angaben der bayerischen Polizei wird in Österreich in zwei Bundesländern gesucht: im Burgenland und in Oberösterreich. Die Kripo Ingolstadt koordiniert demnach Teile der Ermittlungen und steht in engem Austausch mit dem Unternehmen. Weitere Details wurden mit Verweis auf die laufenden Untersuchungen nicht genannt.

Auch aus Österreich hieß es, man wolle aus ermittlungstaktischen Gründen nur wenige Informationen veröffentlichen. Vorrang habe, das noch gesuchte Glas zu finden und aus dem Verkehr zu ziehen. Nach Einschätzung der dortigen Polizei spricht einiges dafür, dass es sich lediglich um ein weiteres Glas handeln könnte. Vollständig ausschließen lasse sich eine zusätzliche Manipulation jedoch nicht.

Hinweise kamen aus Deutschland

Den österreichischen Angaben zufolge stammten erste Hinweise zu den manipulierten Produkten aus Deutschland. Auch in Tschechien beschäftigen sich die Behörden mit dem Fall. Die Staatsanwaltschaft in Brünn leitete Ermittlungen ein. Die Gefährdungslage werde dort derzeit allerdings als vergleichsweise gering eingeschätzt.

Verdächtiges Glas in Österreich abgegeben

Hipp hatte in Österreich bereits am späten Freitag einen Rückruf aller Produkte aus Spar-Supermärkten veranlasst und davor gewarnt, dass der Verzehr eines manipulierten Glases lebensgefährlich sein könne.

Am Nachmittag brachte dann ein Kunde ein verdächtiges, noch ungeöffnetes Gläschen zu den Behörden. Es war in Schützen am Gebirge im Bezirk Eisenstadt-Umgebung entdeckt worden. Eine Untersuchung ergab: Das Glas enthielt Rattengift.

Gesundheitsbehörde warnt vor möglichen Symptomen

Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) wertet den Fall als Erpressungsversuch. Wirkstoffe in Rattengift können die Blutgerinnung beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind unter anderem:

  • Zahnfleischbluten,
  • Nasenbluten,
  • blaue Flecken,
  • Blut im Stuhl.

Eltern, deren Kinder Hipp-Babynahrung gegessen haben und solche Symptome zeigen, sollten umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Unternehmen mit langer Geschichte

Hipp wurde vor mehr als 120 Jahren im bayerischen Pfaffenhofen an der Ilm gegründet. Der Sitz der Hipp Holding AG befindet sich heute in Sachseln im Schweizer Kanton Obwalden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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