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Stärkerer Wind bremst Walhilfe – Rettungsteam setzt auf Alternativplan

Seit rund vier Tagen laufen die Vorbereitungen für den Transport des Buckelwals zurück ins offene Meer. Der Wind wird stärker, der Wasserstand steigt. Vielleicht schwimmt der Wal sich selbst frei?

19.04.2026, 20:59 Uhr

Der vor der Ostseeinsel Poel festsitzende Buckelwal soll am Sonntag nicht wie geplant aus der Bucht gebracht werden. Nach Angaben des Mitfinanziers der Aktion, Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, ist der Wasserstand inzwischen so stark gestiegen, dass weder die vorgesehenen Pontons angebracht noch der Wal wie geplant begleitet werden können.

Ersatzplan für den Fall einer Eigenbefreiung

Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative verwies auf einen Plan B, falls sich das Tier selbst aus dem Flachwasser lösen sollte. Demnach stehen Boote der DLRG bereit, um den Wal in diesem Fall zu begleiten und ihn nach Möglichkeit über die Nordsee bis in den Atlantik zu lotsen.

In der Nacht wird mit einem zusätzlichen Anstieg des Wasserstands um bis zu 70 Zentimeter gerechnet. Bereits früher hatte sich der Wal kurzzeitig aus eigener Kraft befreien können, war dann jedoch erneut im flachen Wasser festgekommen.

Gunz sieht Rettungsmission wieder am Anfang

Für Walter Gunz ist der laufende Rettungsversuch damit praktisch wieder auf Anfang gesetzt. Am Vortag habe die Wasserhöhe noch besser gepasst, nun sei die Lage durch den deutlichen Anstieg völlig verändert. Aus seiner Sicht spüre das Tier inzwischen, dass es sich frei bewegen könne. Deshalb stelle sich die Frage, ob der Wal überhaupt noch in der ursprünglich geplanten Weise geführt werden könne. Das über längere Zeit entwickelte Konzept sei unter den neuen Bedingungen so nicht mehr umsetzbar.

Vorgesehen war, eine Plane unter den Wal zu bringen, diese an Pontons zu befestigen und das Tier dann mithilfe eines Schleppers an langer Leine Richtung Nordsee und möglichst weiter in den Atlantik zu ziehen. Seit Donnerstag liefen die Vorbereitungen. Nach Behördenangaben befindet sich die Plane bereits im Wasser und ist für den Wal sichtbar. Zudem wurde am Sonntag eine Rinne vom tieferen Wasser in Richtung des Tieres geschaffen, indem Schlamm abgesaugt wurde.

Kritik an Verzögerungen – Minister weist Vorwürfe zurück

Gunz beklagte außerdem, bürokratische Abläufe hätten die Rettungsaktion um anderthalb bis zwei Tage zurückgeworfen. Nun brauche es beinahe ein Wunder. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus widersprach dieser Darstellung bei einem Termin auf Poel. Die Behörden hätten schnell und flexibel gehandelt, sagte er.

Nach Messungen des Umweltministeriums ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Das geschwächte Tier liegt seit inzwischen 20 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel.

Von der Meden berichtete, der Meeressäuger habe am Morgen sehr gute Reaktionen gezeigt und wirke weiterhin lebenskräftig. Die privat finanzierte Aktion wird von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Walter Gunz getragen. Sie erfolgt unter Beobachtung des Umweltministeriums und in enger Abstimmung mit den Behörden.

Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem Aufenthaltsort des Wals waren mehrere DLRG-Boote im Einsatz. Sie dienen auch dem Schutz der Einsatzkräfte. Insgesamt stehen fünf Boote, ein Jet-Ski und rund 20 DLRG-Helfer bereit. Erschwerend kommt die zunehmende Windstärke hinzu, die die Rettung zusätzlich behindern könnte.

Minister: Zustand den Umständen entsprechend stabil

Parallel zur Pressekonferenz der privaten Initiative äußerte sich auch Umweltminister Backhaus. Seinen Angaben zufolge geht es dem Tier den Umständen entsprechend einigermaßen gut. Der Wal lebe und atme, zudem werde er von insgesamt fünf Tierärzten überwacht – drei aus der privaten Initiative und zwei aus der staatlichen Veterinärverwaltung. Nach den Worten des Ministers sendet das Tier Signale, gibt Laute von sich und zeigt weiterhin Reaktionen.

Falls der Buckelwal befreit wird oder sich selbst lösen kann, könnte er zusätzlich mit einem GPS-Sender ausgestattet werden. Dieser würde auf dem Körper befestigt, um das Tier anschließend Tag und Nacht orten und begleiten zu können, auch wenn es länger abtaucht.

Tierärztin sieht ermutigende Zeichen

Die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, bewertete den Zustand des Buckelwals vorsichtig positiv. Das Tier atme inzwischen deutlich tiefer ein, was sie als gutes Zeichen wertete. Gemeinsam mit zwei weiteren Veterinären habe sie den Wal untersucht. Dabei habe sich gezeigt, dass es sich nicht um ein Tier handle, das bereits im Sterben liege.

Befürchtungen, ein Rettungsversuch könne dem Wal zusätzlich schaden, wies sie zurück. Ziel sei es nicht, weiteres Leid zu verursachen, sondern das Tier aus seiner ausweglosen Lage zu befreien. Bahr-van Gemmert erklärte zudem, sie habe ein gutes Gefühl. Der Wal reagiere auf den eingesetzten Saugbagger nicht nervöser als auf Menschen. Ihrer Einschätzung nach nehme das Tier wahr, dass ihm geholfen werden solle.

Kritik von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten an der Aktion wies sie ebenfalls zurück. Viele dieser Kritiker hätten den Wal nicht selbst vor Ort gesehen. Zuvor waren Wissenschaftler, Behördenexperten und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen nach eingehender Prüfung zu dem Schluss gekommen, das Tier brauche vor allem Ruhe und weitere Eingriffe könnten schwere Schäden verursachen. Ihrer Einschätzung nach ist der Buckelwal orientierungslos, stark geschwächt und so beeinträchtigt, dass er die Rückkehr in den Atlantik wohl nicht schaffen würde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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