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Reiche mahnt zur Besonnenheit in der Debatte über möglichen Kerosinmangel

Der Finanzminister äußert sich zu Warnungen vor einer Knappheit bei Kerosin. Die Wirtschaftsministerin meldet sich auch zu Wort. Am Montag gibt es ein Treffen.

18.04.2026, 13:30 Uhr

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat für den Fall einer Verknappung von Kerosin rasches Handeln zugesichert, zugleich aber vor überzogenen Reaktionen gewarnt. „Panikmache beim Thema Kerosin bringt uns nicht weiter“, sagte die CDU-Politikerin. Die Versorgungslage unterscheide sich je nach internationalem Markt deutlich.

Nach Angaben der Ministerin nimmt ihr Haus die Sorgen der Luftfahrt sehr ernst. Der Flugverkehr sei für Deutschland als Wirtschaftsstandort von großer Bedeutung, insbesondere für internationale Verbindungen und zeitkritische Transporte.

Luftfrachtbranche fordert Priorität bei Engpässen

Vertreter der Luftfracht warnen bereits vor möglichen Folgen. Sie sprechen sich dafür aus, den Frachtverkehr im Ernstfall bevorzugt mit Kerosin zu versorgen. Claus Wagner, Vorsitzender des Verbands der Air Cargo Abfertiger Deutschlands, sagte der Welt, es sei denkbar, dass Kerosin in Deutschland zugeteilt werden müsse – ähnlich wie bereits in Italien. Auch Christopher Stoller, Präsident des Aircargo Club Deutschland, hält eine Bevorzugung der Luftfracht im Mangelfall für wirtschaftlich notwendig. Der Sektor sei ein zentrales Element globaler Lieferketten und industrieller Produktion.

Reiche verwies auf einen engen und fortlaufenden Austausch mit Unternehmen und Verbänden der Branche. Ziel sei es, mögliche Auswirkungen auf den Luftverkehr in Deutschland laufend zu beobachten und bei Bedarf schnell gezielte Maßnahmen einzuleiten. Für Montag habe ihr Ministerium gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium Vertreter von Versorgern, Flughäfen, Airlines und Verbänden zu Gesprächen eingeladen.

Vorstoß von Klingbeil

Zuvor hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil auf die Warnungen vor einer möglichen Verknappung reagiert und Gegenmaßnahmen eingefordert. Dem Spiegel sagte der SPD-Chef, die Hinweise auf mögliche Kerosinengpässe müssten sehr ernst genommen werden. Es gehe nicht nur um hohe Preise, sondern ebenso um die Sicherung der Versorgung.

Zwischen Klingbeil und Reiche hatte es zuletzt bereits Spannungen gegeben. Reiche hatte Vorschläge des Finanzministers zur Entlastung von Verbrauchern wegen hoher Spritpreise deutlich kritisiert. Klingbeil wiederum warf ihr vor, die Energiewende auszubremsen.

Regierung verweist auf Reserven

Reiche betonte, sie halte wenig davon, sämtliche denkbaren Szenarien öffentlich durchzuspielen. Jetzt komme es darauf an, besonnen und sorgfältig zu handeln. Im Rahmen der Freigaben durch die Internationale Energieagentur habe die Bundesregierung beschlossen, die Mengen zunächst in mehreren Tranchen bis Ende April anzubieten, um flexibel auf die weitere Marktentwicklung reagieren zu können. Neben Rohöl und Diesel seien bereits 50.000 Tonnen Jet-Treibstoff freigegeben worden.

Nach Angaben der Ministerin lagert der Erdölbevorratungsverband zusätzlich knapp 1,1 Millionen Tonnen Kerosin. Sollte in Deutschland eine tatsächliche physische Knappheit drohen, könne auf diese nationale Reserve zurückgegriffen werden. Reiche hob zudem hervor, dass Deutschland durch seine eigene Raffinerieindustrie, die ebenfalls Kerosin herstellt, besser aufgestellt sei als manche andere Staaten.

Warnungen vor Engpässen in Europa

Die Internationale Energieagentur hatte am Freitag darauf hingewiesen, dass mehrere europäische Länder in den kommenden sechs Wochen mit beginnender Knappheit bei Kerosin konfrontiert sein könnten. Reiche verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Kerosin auch in deutschen Raffinerien produziert werde und Deutschland daher nicht allein auf Importe angewiesen sei.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft sieht dennoch die Gefahr spürbarer Folgen für den Flugverkehr. Hauptgeschäftsführer Joachim Lang erklärte, ausbleibender Nachschub könne schon bald zu Einschränkungen im Flugangebot führen. Mit Blick auf die bevorstehende Sommerreisezeit sei dies besonders kritisch, da Tourismus und Geschäftsreisen stark vom Luftverkehr abhingen. Wie ernst die Lage werde, hänge wesentlich davon ab, wie lange der Krieg mit Iran andauere.

Bereits an Flughäfen in Asien hatte sich die Krise zuerst bemerkbar gemacht. Dort konnten teils schon vor Wochen keine zusätzlichen Flüge mehr angenommen werden. Reiche sagte dazu, bei Flügen nach Asien müsse auch sichergestellt sein, dass vor Ort ausreichend Betankungsmöglichkeiten vorhanden seien.

Energieversorgung derzeit gesichert

Mit Blick auf den Krieg mit Iran sprach Reiche von einem „globalen Schockmoment“ für die Weltwirtschaft. Trotz erheblicher geopolitischer Spannungen und steigender Preise für Öl, Gas, Kraftstoffe und andere Produkte sei die physische Energieversorgung in Deutschland derzeit jedoch gesichert. Die Bundesregierung beobachte die Lage genau und reagiere gezielt.

Die schwarz-rote Koalition hat wegen der hohen Spritpreise vorübergehende steuerliche Entlastungen für Autofahrer angekündigt. Reiche will am Mittwoch die Frühjahrsprognose der Bundesregierung vorstellen. Erwartet wird, dass die Wachstumsprognose deutlich gesenkt wird. Im Januar war die Regierung noch von einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent ausgegangen. Führende Forschungsinstitute rechnen inzwischen nur noch mit 0,6 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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