Deutschland und Brasilien wollen ihre Beziehungen deutlich intensivieren. Nach den deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen in Hannover kündigten Bundeskanzler Friedrich Merz und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva an, Handel, Rohstoffpartnerschaft und Rüstungskooperation auszubauen. Merz sagte, angesichts der tiefgreifenden Veränderungen in der Weltordnung sei die Nähe beider Länder wichtiger denn je. Ziel sei es, den gegenseitigen Nutzen zu vergrößern und ein starkes Netzwerk gleichgesinnter Partner zu bilden.
Beide Staats- und Regierungschefs warben zudem erneut für eine Reform der Vereinten Nationen. Deutschland und Brasilien fordern seit Jahren einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Dort haben bislang nur die USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich einen permanenten Platz samt Vetorecht. Gerade dieses Vetorecht gilt als einer der Hauptgründe dafür, dass Reformen bisher nicht vorangekommen sind.
Lula kritisiert Trump erneut
Lula nutzte das Treffen auch für weitere Angriffe auf US-Präsident Donald Trump. Nachdem er den von den USA und Israel begonnenen Krieg gegen den Iran bereits zuvor als "Wahnsinn" bezeichnet hatte, verurteilte er nun Trumps Entscheidung, Südafrika vom kommenden G20-Gipfel in Florida auszuschließen.
Nach eigenen Angaben riet Lula dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa trotzdem zur Anreise. Wenn heute Südafrika ausgeschlossen werde, könnten morgen Deutschland oder Brasilien an der Reihe sein, warnte er. Zugleich forderte er die Bundesregierung auf, sich gemeinsam mit ihm für eine Teilnahme Südafrikas einzusetzen.
Trump hatte angekündigt, Südafrika nicht zu dem im Dezember in seinem Hotel "Trump National Doral Miami" geplanten G20-Treffen einzuladen. Er begründete dies mit dem Vorwurf, in Südafrika finde ein Genozid an weißen Bauern statt. Experten und die südafrikanische Regierung weisen diese Darstellung entschieden zurück.
Freihandelsabkommen soll Wachstum bringen
Bereits am Sonntag hatten Merz und seine Frau Charlotte das brasilianische Präsidentenpaar auf Schloss Herrenhausen empfangen und anschließend zusammen mit ihnen die Hannover Messe eröffnet. Am Montag folgten dann die eigentlichen Regierungskonsultationen, an denen insgesamt 15 Ministerinnen und Minister beider Länder beteiligt waren.
Im Zentrum stand die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Rückenwind verspricht das vorläufige Inkrafttreten des Freihandelsabkommens zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zum 1. Mai. Merz zeigte sich zuversichtlich, das Handelsvolumen mit Brasilien in den kommenden Jahren verdoppeln zu können.
Er betonte, beide Volkswirtschaften wollten ihre jeweiligen Stärken gemeinsam entfalten. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu verringern. In einer zunehmend unberechenbaren Welt sei das besonders wichtig. Deutschland und Brasilien wollen deshalb auch ihre Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen vertiefen. Für Deutschland ist Brasilien vor allem wegen seiner Vorkommen an seltenen Erden interessant, die etwa für Laptops, Smartphones und Elektromotoren benötigt werden.
Mehr Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie
Auch bei der Verteidigung streben beide Länder engere Beziehungen an. Lula bekundete Interesse an vier weiteren Fregatten der Tamandaré-Klasse von Thyssenkrupp Marine Systems. Vier Schiffe dieses Typs werden bereits in Brasilien gebaut. Man habe heute Fortschritte bei den Bemühungen um vier zusätzliche Einheiten erzielt, sagte der Präsident. Darüber hinaus liefen Gespräche über gepanzerte Fahrzeuge, Luftabwehrsysteme und Drohnen.
Der Besuch diente auch dazu, frühere Irritationen auszuräumen. Merz hatte sich nach seiner Rückkehr von der Weltklimakonferenz in Belém in einer Weise über die dortige Armut geäußert, die in Brasilien vielerorts als herablassend empfunden wurde. Lula hatte ihn dafür zunächst kritisiert, später aber beim G20-Gipfel in Johannesburg wieder den Ausgleich gesucht.
Lula vermisste die Bratwurst vom Straßenstand
Offenbar als kleine Geste der Wiedergutmachung wollte Merz Lula in Hannover einen persönlichen Wunsch erfüllen. In einem Interview hatte der brasilianische Präsident vor seiner Reise gesagt, dass er in Deutschland gern eine Wurst vom Straßenimbiss esse.
Daraufhin ließ Merz ihm vor dem offiziellen Mittagessen auf Schloss Herrenhausen eine Auswahl deutscher Wurstspezialitäten servieren. Ganz zufrieden war Lula damit allerdings nicht. Ihm habe eine Wurst direkt vom Imbissstand vorgeschwebt und nicht aus der Schlossküche. Bedauerlich sei nur gewesen, sagte er, dass er an keiner Straße vorbeigekommen sei, an der ein Wagen Bratwürste verkauft habe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion