Allgemein

Walrettung vor Poel: Alternativplan steht bereit, Wind erschwert Einsatz

Seit rund vier Tagen laufen die Vorbereitungen für den Transport des Buckelwals zurück ins offene Meer. Der Wind wird stärker, der Wasserpegel steigt. Vielleicht schwimmt der Wal sich selbst frei?

19.04.2026, 18:03 Uhr

Die Rettung des vor der Insel Poel festsitzenden Buckelwals könnte bald in eine entscheidende Phase eintreten. Nach Angaben der privaten Hilfsinitiative verläuft die Vorbereitung bislang planmäßig. Rechtsanwältin Constanze von der Meden erklärte, man komme gut voran und liege im vorgesehenen Zeitrahmen. Der etwa zwölf Meter lange Wal habe am Morgen sehr positive Reaktionen gezeigt und wirke weiterhin kräftig. Nicht ausgeschlossen sei deshalb, dass sich das Tier erneut selbst befreien könne.

DLRG hält sich für „Plan B“ bereit

Für diesen Fall gibt es bereits eine Ausweichstrategie. Sollte der Meeressäuger aus eigener Kraft losschwimmen, stehen Boote der DLRG in Bereitschaft, um ihn zu begleiten und in Richtung offene See zu lotsen. Ziel wäre es, den Wal zunächst in die Nordsee und anschließend weiter in den Atlantik zu führen.

Zudem rechnen die Einsatzkräfte in den kommenden Stunden mit einem um 50 bis 60 Zentimeter steigenden Wasserstand. Das könnte die Chancen auf eine Befreiung verbessern. Schon zuvor hatte der Wal sich einmal selbst lösen können, war später jedoch erneut im flachen Wasser festgekommen.

Die privat finanzierte Rettungsaktion wird von Unternehmerin Karin Walter-Mommert sowie MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz getragen. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns beobachtet das Vorgehen und stimmt sich eng mit den zuständigen Behörden ab.

Seit fast drei Wochen in der Wismarbucht

Geplant ist weiterhin, unter dem Tier eine Plane hindurchzuführen, die zwischen zwei Pontons befestigt wird. Auf diese Weise soll der geschwächte Buckelwal aus dem flachen Bereich geborgen und später in Richtung Nordsee transportiert werden. Die schwimmenden Plattformen sollen dabei von einem Schlepper an einem langen Seil gezogen werden.

Nach Angaben der Behörden befindet sich die Netzplane bereits im Wasser und in Sichtweite des Wals. Messungen zufolge ist das Tier 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Seit inzwischen 20 Tagen hält sich der geschwächte Buckelwal in der Wismarbucht vor Poel auf.

Zwischen dem Hafen von Kirchdorf und dem Einsatzort sind mehrere DLRG-Boote unterwegs. Sie dienen nicht nur der Unterstützung der Rettung, sondern auch der Absicherung der Kräfte vor Ort. Insgesamt stehen fünf Boote, ein Jet-Ski und rund 20 DLRG-Helfer im Einsatz. Sorge bereitet allerdings der zunehmende Wind, der die Arbeiten erschweren könnte.

Umweltminister: Zustand „einigermaßen“ stabil

Nahezu zeitgleich zur Pressekonferenz der privaten Initiative äußerte sich auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Seinen Worten nach geht es dem Wal den Umständen entsprechend noch „einigermaßen“ gut. Das Tier lebe und atme, sagte der Minister. Der Wal werde von insgesamt fünf Tierärzten beobachtet — drei aus dem Team der privaten Initiative und zwei aus der staatlichen Veterinärverwaltung. Laut Backhaus zeigt das Tier Lautäußerungen und Reaktionen.

GPS-Sender als mögliche Hilfe

Sollte der Buckelwal befreit werden oder sich selbst lösen, wird außerdem geprüft, ihm einen GPS-Sender anzubringen. Nach Ansicht des Ministers wäre das sinnvoll, um seinen Aufenthaltsort jederzeit verfolgen zu können. Da Wale über längere Zeit untertauchen können, ließe sich das Tier so auch nachts oder bei schlechter Sicht weiter begleiten.

Tierärztin sieht ermutigende Zeichen

Die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, zeigte sich vorsichtig optimistisch. Der Wal atme inzwischen deutlich tiefer ein, was sie als positives Signal wertet. Gemeinsam mit zwei weiteren Veterinären habe sie das Tier untersucht. Dabei sei deutlich geworden, dass es sich nicht um ein Tier handle, das bereits im Sterben liege.

Vorwürfe, ein Rettungsversuch könne dem Buckelwal zusätzlich schaden, wies sie zurück. Niemand sei vor Ort, um dem Tier weiteres Leid zuzufügen, betonte Bahr-van Gemmert. Vielmehr gehe es darum, den Wal aus seinem „Gefängnis“ zu befreien.

Auch insgesamt habe sie ein gutes Gefühl. Der Wal reagiere auf den eingesetzten Saugbagger nicht nervöser als auf Menschen in seiner Umgebung. Nach ihrer Einschätzung nehme das Tier wahr, dass ihm geholfen werden solle.

Kritik aus Fachkreisen hält an

Die Tierärztin widersprach zugleich der Kritik von Wissenschaftlern und anderen Experten. Diese hätten das Tier nicht selbst vor Ort gesehen, sagte sie. Fachleute aus Wissenschaft, Behörden und Nichtregierungsorganisationen waren nach eingehender Prüfung zuletzt zu dem Schluss gekommen, dass der Wal vor allem Ruhe brauche. Weitere Eingriffe könnten ihm erhebliche Schäden zufügen. Nach ihrer Einschätzung ist der Buckelwal orientierungslos, stark geschwächt und möglicherweise nicht mehr in der Lage, den Rückweg in sein eigentliches Verbreitungsgebiet zu bewältigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen