Bayern

Mehrere Demonstrationen in München ziehen Teilnehmer im fünfstelligen Bereich an

Politikwissenschaftler sprechen davon, dass es eine zunehmend polarisierte Gesellschaft gibt. Beobachten lässt sich das auf den Straßen der Landeshauptstadt.

19.04.2026, 12:25 Uhr

Die Münchner Polizei war am Samstag bei gleich drei größeren Demonstrationen gleichzeitig im Einsatz. Nach Schätzungen der Beamten gingen insgesamt rund 15.500 Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt auf die Straße.

Die größte Kundgebung richtete sich gegen die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) geplanten Einschnitte bei der Förderung von Ökostrom. Während die Veranstalter von 12.000 Teilnehmenden sprachen, lag die Polizeischätzung zwischenzeitlich bei 7.000.

Demonstrierende und Redner kritisierten, dass die Pläne den Fortschritt der Energiewende gefährden und fossile Energieträger begünstigen könnten. Zu dem Protest aufgerufen hatten unter anderem der Bund Naturschutz und Greenpeace.

Bund Naturschutz warnt vor Rückschritten bei der Energiewende

Der Landesvorsitzende des Bund Naturschutz, Martin Geilhufe, bezeichnete das von Reiche geplante Netzpaket als Teil eines umfassenden Angriffs auf Natur-, Umwelt- und Klimaschutz. Aus seiner Sicht dürfe die Bundesregierung den Ausbau von Windkraft und Solarenergie nicht bremsen.

Zeitgleich fanden auch in Berlin, Köln und Hamburg ähnliche Protestaktionen statt. Greenpeace bezifferte die Gesamtzahl der Teilnehmer in allen vier Städten auf etwa 80.000.

Milliardenkosten durch Engpässe im Stromnetz

Nach Angaben der Bundesnetzagentur stiegen die Kosten für das sogenannte Engpassmanagement im Jahr 2025 um vier Prozent auf knapp 3,1 Milliarden Euro. Grund dafür sind überlastete Leitungen: An Tagen mit besonders viel Sonne oder Wind wird oft mehr erneuerbarer Strom erzeugt, als direkt genutzt oder transportiert werden kann.

In solchen Situationen müssen vor allem in Süddeutschland häufig Gas- oder Kohlekraftwerke einspringen, deren Strom deutlich teurer ist. Betreiber von Wind- und Solaranlagen erhalten zugleich Ausgleichszahlungen für Strom, der nicht eingespeist werden kann.

Reiche plant daher, in Regionen mit besonders hohen Mengen nicht nutzbaren Ökostroms für neue Wind- und Solaranlagen künftig keine Entschädigungen mehr zu zahlen.

Polizei trennt mehrere Lager mit großem Aufgebot

Neben dem Protest für erneuerbare Energien gab es in München weitere größere Versammlungen. Bei sonnigem Wetter beteiligten sich laut Polizei rund 4.500 Menschen an einem „Marsch fürs Leben“, der sich gegen Abtreibung und Sterbehilfe richtete und überwiegend christlich geprägt war.

Gegen diese Veranstaltung protestierten wiederum nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Veranstaltern etwa 4.000 Gegendemonstranten. Die Polizei war mit vielen Kräften vor Ort, um beide Lager voneinander zu trennen.

„Märsche fürs Leben“ finden auch in anderen Ländern statt. Kritiker werfen den Organisatoren vor, die Rechte von Frauen beschneiden zu wollen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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