Die Initiative für eine Olympiabewerbung aus Nordrhein-Westfalen hat bei den Bürgerentscheiden klaren Rückenwind erhalten. Nach Angaben von Ministerpräsident Hendrik Wüst stimmten in 16 von 17 Städten jeweils rund zwei Drittel der Teilnehmenden für eine Kandidatur der Region KölnRheinRuhr für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Insgesamt nahmen etwa 1,4 Millionen Menschen teil – das entspricht rund einem Drittel der Stimmberechtigten. Nur in Herten wurde die notwendige Beteiligung nicht erreicht.
Wüst zeigte sich noch vor Abschluss aller Auszählungen hochzufrieden mit dem Ergebnis. Damit hat NRW als zweiter deutscher Bewerber nach München die Unterstützung der Bevölkerung erhalten. Hamburg lässt Ende Mai abstimmen, Berlin verzichtet auf ein solches Votum.
Auch aus Kiel kam am Sonntag ein positives Signal: Dort sprachen sich 63,5 Prozent der Stimmberechtigten dafür aus, dass die Stadt bei einer möglichen deutschen Bewerbung als Segelstandort eingeplant wird. DOSB-Vorstandschef Otto Fricke bewertete das Ja aus NRW und Kiel als wichtiges Zeichen für den Sport in Deutschland.
Wertung nur bei erfülltem Quorum
Für das NRW-Gesamtergebnis wurden nur jene Kommunen berücksichtigt, in denen ausreichend viele Menschen abgestimmt haben und zugleich eine Mehrheit für die Bewerbung zustande kam. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern musste die Zustimmung mindestens zehn Prozent aller Wahlberechtigten erreichen. In kleineren Kommunen lag die erforderliche Marke bei bis zu 20 Prozent.
In Herten, wo gemeinsam mit Recklinghausen Mountainbike-Wettkämpfe vorgesehen waren, wurde diese Hürde verfehlt. Die Stadt fällt damit aus dem Bewerbungskonzept heraus. Nach Angaben der Verantwortlichen gibt es jedoch Ausweichpläne mit anderen Sportstätten.
Abstimmung ausschließlich per Briefwahl
Mehr als vier Millionen Wahlberechtigte konnten ihre Stimme nur per Briefwahl abgeben. Die Unterlagen wurden ihnen fast überall automatisch zugeschickt. Abgestimmt wurde in den Städten Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Köln, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim am Rhein, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen und Wuppertal.
Wüst sprach von einer außergewöhnlich hohen Beteiligung. Nach seinen Worten handelt es sich um die größte direktdemokratische Beteiligung in der olympischen Geschichte sowie um die größte Bürgerbefragung, die es in Nordrhein-Westfalen bislang gegeben hat.
Konzept setzt auf vorhandene Arenen
Das NRW-Modell will vor allem bestehende Sportstätten nutzen und neue Bauten möglichst vermeiden. In der als "Leading City" vorgesehenen Stadt Köln sollen lediglich ein temporäres Leichtathletikstadion und das Athletendorf entstehen. Wüst warb mehrfach für aus seiner Sicht besonders kompakte, nachhaltige und spektakuläre Spiele. Genannt wurden unter anderem mögliche Wettbewerbe wie Schwimmen auf Schalke oder Fußball in Dortmund. Insgesamt rechnet das Konzept mit bis zu 14 Millionen Tickets.
Mehrere deutsche Bewerber im Rennen
Die Bürgerentscheide bedeuten noch nicht, dass NRW tatsächlich den Zuschlag für eine deutsche Bewerbung erhält. Neben KölnRheinRuhr konkurrieren auch München, Hamburg und Berlin. München hatte bereits im Herbst mit 66,4 Prozent Zustimmung ein starkes Ergebnis erzielt.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) prüft alle Konzepte anhand einer Bewertungsmatrix, in die auch die Resultate der Bürgerentscheide eingehen. Am 26. September soll entschieden werden, welche Stadt oder Region Deutschland ins internationale Rennen schickt. Bis Anfang Juni können die Bewerber ihre Konzepte noch überarbeiten.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) dürfte frühestens 2027 über den Austragungsort der Sommerspiele 2036 entscheiden. Als weitere Interessenten gelten unter anderem Katar, Indien und Südafrika. Die Spiele 2028 finden in Los Angeles statt, 2032 ist Brisbane Gastgeber.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion