Die deutsche Wirtschaft schlägt Alarm: Azubis können oft kaum Deutsch und der Fachkräftemangel verschärft sich. Viele Unternehmen beklagen fehlende Bewerber, unzureichende Sprachkenntnisse und steigende Probleme bei der Ausbildung von Nachwuchskräften.
Ausbildung in der Krise

Inmitten des anhaltenden Fachkräftemangels stehen viele deutsche Unternehmen vor einer weiteren Herausforderung: Immer mehr Auszubildende bringen unzureichende Voraussetzungen mit – insbesondere im Bereich der Sprachkompetenz.
Die Lage spitzt sich in zahlreichen Branchen zu, denn nicht nur die Zahl der Bewerber bleibt hinter den Erwartungen zurück, auch die Qualität der Ausbildung leidet zunehmend. Arbeitgeber, Kammern und Bildungseinrichtungen schlagen Alarm und fordern gezielte Maßnahmen, um den Nachwuchs besser zu fördern und langfristig fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Die Situation wirft grundlegende Fragen auf: Wie kann berufliche Bildung gelingen, wenn bereits die sprachliche Basis fehlt?
Fachkräftemangel beginnt schon bei den Azubis

Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zeigt dramatische Zahlen: Rund 49 Prozent der Ausbildungsbetriebe konnten im letzten Jahr nicht alle Plätze besetzen – ein neuer Negativrekord. Besonders alarmierend ist, dass über ein Drittel der betroffenen Betriebe keine einzige Bewerbung erhalten haben. Das betrifft über 30.000 Firmen deutschlandweit. Die Situation spitzt sich seit Jahren zu und viele warnen davor, dass ohne jungen Nachwuchs die Basis für die Industrie und den Mittelstand langfristig fehlen wird. Besonders kleine Betriebe in Branchen wie Industrie, Handel und Bau sind stark betroffen. Neben Quantität fehlen oft auch Deutschkenntnisse bei Bewerbern, was die Ausbildung zusätzlich erschwert.
Das Problem ist nicht nur der Mangel an Bewerbern, sondern auch die Qualität der Ausbildungsvoraussetzungen. Viele Azubis kommen aus Bildungsmilieus, in denen Deutsch wenig gesprochen wird. Die Wirtschaft fordert zunehmend, dass neben verstärkten Investitionen in Bildung auch sprachliche Kompetenzen besser gefördert werden müssen, um die jungen Leute fit für die duale Ausbildung zu machen. Die Produktivität steigt, doch gleichzeitig braucht man gut qualifizierte Azubis, die Deutsch verstehen und sprechen, um den Anforderungen gerecht zu werden.
Im nächsten Abschnitt schauen wir darauf, wie die Wirtschaft mit der Anwerbung von Azubis im Ausland reagiert – eine teils kritische Praxis, die zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt.
Azubis aus dem Ausland: Hoffnung und Risiken

Obwohl die Ausbildungsplätze in Deutschland oft nicht besetzt werden können, versuchen viele Betriebe, ihre Azubis im Ausland zu rekrutieren – vor allem aus Drittstaaten außerhalb der EU. Doch die Praxis zeigt sich zwiespältig: Zwar sind solche internationalen Auszubildenden oft motiviert, doch sie sehen sich häufig mit Problemen wie fehlender Deutschkenntnisse und sogar mit Ausbeutung konfrontiert. Ein Beispiel ist die 35-jährige Thuy Tien Vu, die aus Vietnam kam, um eine Ausbildung in Deutschland zu absolvieren und dort schon früh negative Erfahrungen gemacht hat.
Private Vermittlungsagenturen, die teilweise unreguliert arbeiten, spielen hier eine Schlüsselrolle. Sie versprechen oft viel, verlangen aber hohe Gebühren und bringen die angehenden Azubis in prekäre Situationen. Das deutsche Ausbildungssystem gilt offiziell als „Erfolgsmodell“, doch in der Praxis offenbaren sich Lücken, gerade wenn es um den Schutz und die Förderung von Auszubildenden aus dem Ausland geht. Deutschkenntnisse bleiben hier eine zentrale Herausforderung, die häufig den Erfolg der Ausbildung erschwert.
Wie die Betriebe konkret auf die deutsche Sprache und die Ausbildungsvoraussetzungen der Azubis reagieren, erfahren wir in der nächsten Folge.
Betriebe fordern stärkere Sprachförderung und andere Maßnahmen

Viele Unternehmen beklagen, dass ihre Auszubildenden oft kaum Deutsch sprechen und dadurch kommunikative Probleme im Betrieb entstehen. Dies führt nicht selten dazu, dass Azubis sich überfordert fühlen oder sogar abbrechen. Die Wirtschaft schaut vermehrt auf Sprachkurse und integrative Bildungsprogramme als Ausweg, fordert aber auch, dass diese frühzeitiger und besser finanziert werden müssen.
Gleichzeitig wünschen sich Betriebe oftmals mehr Unterstützung, um auch Jugendliche mit geringeren Bildungsvoraussetzungen oder aus bildungsfernen Familien auszubilden und zu integrieren. Der Fachkräftemangel ist zwar treibend, aber ohne eine klare Strategie für Sprach- und Sozialkompetenzförderung entkräftet sich der Ausbildungserfolg oft schnell.
Im nächsten Teil untersuchen wir, welche Branchen besonders stark unter dem Azubimangel leiden und warum gerade dort die Sprache so eine bedeutende Rolle spielt.
Besonders hart getroffen: Industrie, Handel und Bau

Im Zuge der DIHK-Umfrage zeigt sich, dass vor allem bestimmte Branchen händeringend Azubis suchen: Industrie, Gastgewerbe, Handel, Verkehrsbranche und Baugewerbe. Gerade hier sind Sprachkenntnisse entscheidend, da viele Arbeitsprozesse exakt verstanden und Sicherheitsvorgaben befolgt werden müssen. Fehlendes Deutsch erschwert nicht nur die Ausbildung, sondern bringt auch Risiken für den Betrieb mit sich.
Die Branchen stehen mit dem Rücken zur Wand: Sie brauchen dringend Azubis, doch oft fehlen die Bewerbungen oder die nötigen Kompetenzen. Nicht zuletzt deshalb wächst der Druck auf Politik und Wirtschaft, die Ausbildung unter besseren Bedingungen sicherzustellen.
Wir werfen nun einen Blick auf mögliche Lösungsansätze und wie eine bessere Sprachförderung konkret aussehen könnte, um das Dilemma zu entschärfen.
Lösungsansätze: Investition in Bildung und Integration

Experten fordern eine systematische Stärkung der Sprachförderung bereits vor Beginn der Ausbildung – sowohl in Schulen als auch durch gezielte Vorbereitungskurse. Es braucht mehr Investitionen, um Sprachbarrieren nachhaltig abzubauen, damit junge Menschen aus allen Herkunftskulturen die Chancen einer dualen Ausbildung nutzen können.
Dabei kann auch die Zusammenarbeit von Betrieben mit Bildungseinrichtungen entscheidend sein, um Ausbildungsinhalte sprachlich adäquat zu vermitteln und kulturelle Unterschiede zu überbrücken. Innovationen in der Berufsausbildung, bei denen Sprache und Integration Hand in Hand gehen, könnten den Fachkräftemangel auf lange Sicht mildern.
Im letzten Teil beleuchten wir, wie die Politik auf diesen Alarmruf aus der Wirtschaft reagiert und ob ausreichend Maßnahmen in Planung sind.
Politische Reaktionen und Perspektiven

Die Politik hat den Alarmruf der Wirtschaft zum Fachkräftemangel und den Sprachproblemen der Azubis mittlerweile wahrgenommen. Programme zur Ausbildungsförderung und Integration werden ausgeweitet, allerdings kritisieren viele Unternehmen, dass dies zu langsam und unzureichend geschieht. Zudem fehlen oft flächendeckende, einheitliche Angebote zur Sprachförderung.
Es zeichnet sich ab, dass eine engere Verzahnung von Wirtschaft, Bildung und sozialer Integration nötig ist, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Nur so kann der Ausbildungsmarkt langfristig stabilisiert und die Basis für zukünftigen Wohlstand gesichert werden. Derzeit ist das Thema eine der drängendsten sozialwirtschaftlichen Baustellen in Deutschland.
Zum Schluss werfen wir noch einen Blick darauf, welche Rolle die technologische Entwicklung dabei spielt und ob Automatisierung die Probleme abfedern kann.