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Philologenverband warnt: Kinder auf Plattformen in Gefahr?

Social Media macht selbst Erwachsene schwach – warum sollen Kinder standhalten? Jetzt wächst der Druck auf die Plattformen.

09.06.2026, 11:06 Uhr

DPhV dringt auf strengere Vorgaben vor Empfehlungen der Expertenkommission

Der Deutsche Philologenverband (DPhV) verlangt mit Blick auf die angekündigten Empfehlungen der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ strengere Regeln für soziale Medien und die Nutzung von Smartphones. Der Verband, der unter anderem Lehrkräfte in verschiedenen Bildungseinrichtungen vertritt, sieht dabei vor allem die Betreiber der Plattformen in der Verantwortung.

Verbandschefin Susanne Lin-Klitzing betonte, es sei problematisch, Kindern und Jugendlichen eine Selbstdisziplin zuzuschreiben, an der häufig selbst Erwachsene scheiterten. Damit würden aus ihrer Sicht genau jene Anbieter entlastet, die stärker in die Pflicht genommen werden müssten.

Nach Darstellung des DPhV gehört ein problematischer Umgang mit dem Handy für Lehrkräfte längst zum Schulalltag – oft schon vor Beginn des Unterrichts. Lehrerinnen und Lehrer erlebten täglich, wie Schülerinnen und Schüler mit Chatnachrichten, Push-Mitteilungen und Videos in Endlosschleifen konfrontiert seien und sich diesem Sog oft kaum entziehen könnten. Der Verband verweist auf Studien, wonach inzwischen rund 60 Prozent ein suchtähnliches Nutzungsverhalten zeigten. Wer Kinder schützen wolle, müsse deshalb vor allem diejenigen regulieren, die von ihrer Aufmerksamkeit profitierten.

Plattformen stärker in die Pflicht nehmen

Der Verband fordert unter anderem, dass bei Minderjährigen Mechanismen abgeschaltet werden, die eine suchtfördernde Nutzung begünstigen. Außerdem müssten Altersgrenzen wirksam kontrolliert und Anbieter bei Verstößen stärker haftbar gemacht werden.

Darüber hinaus spricht sich der DPhV für bundesweit einheitliche Regeln zum Einsatz privater Smartphones an Schulen aus. Als Beispiel nennt der Verband Schleswig-Holstein, wo für die Klassenstufen 1 bis 9 bereits weitgehende Einschränkungen gelten. Nach Ansicht des Verbands sollten andere Bundesländer einen solchen Schritt nicht länger hinauszögern.

Schutz und Medienbildung gemeinsam stärken

Zugleich warnt der DPhV davor, Schutz und Bildung gegeneinander auszuspielen. Neben klaren Vorgaben brauche es mehr Medienbildung in allen Schulstufen. Zusätzlich setzt sich der Verband für ein eigenständiges Pflichtfach Informatik ein.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ soll bis zum Sommer Vorschläge vorlegen. Dabei geht es unter anderem um mögliche Altersgrenzen für soziale Netzwerke sowie um Handyregeln an Schulen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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